Der spanische Ministerrat (Consejo de Ministros) hat am 8. September 2026 ein Realdekret verabschiedet, das den Umgang mit Probezeiten verschärft und neue Informationsrechte zu algorithmischen Entscheidungen am Arbeitsplatz einführt. Nach Regierungsangaben müssen Unternehmen künftig den Einsatz von Probezeiten über sechs Monate ausdrücklich rechtfertigen und schriftlich dokumentieren. Kündigungen während der Probezeit unterliegen engeren Grenzen als bisher. Ziel ist es, überlange Erprobungsphasen einzudämmen und die Kriterien für Eignungsprüfungen zu präzisieren.
Parallel statuiert die Regelung umfassende Transparenzpflichten beim Einsatz automatisierter Systeme. Beschäftigte erhalten das Recht, zu erfahren, ob und wie Algorithmen über Aspekte ihrer Arbeitsbedingungen mitentscheiden – etwa bei der Bemessung variabler Vergütung, der Verteilung von Schichten und Arbeitszeiten oder bei Versetzungen. Unternehmen müssen die maßgeblichen Kriterien, die Logik der Systeme und die möglichen Folgen für die Betroffenen so offenlegen, dass Entscheidungen nachvollziehbar werden. Dies gilt unabhängig davon, ob die Systeme intern entwickelt oder von Drittanbietern bezogen werden.
Das Realdekret transponiert Teile der Richtlinie (EU) 2019/1152 über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen, die Spanien bislang nicht vollständig in nationales Recht überführt hatte. Das Ministerium für Arbeit betont, die Neuerungen zielten auf Rechtsklarheit und Missbrauchsprävention. Arbeitsministerin Yolanda Díaz verwies darauf, dass die Informationsrechte sowohl individuelle Arbeitnehmer als auch die betriebliche Mitbestimmung stärken. Tarifparteien können vereinbaren, in welchen eng begrenzten Fällen von der Regeldauer der Probezeit abgewichen werden darf.
Rechtlich verbindlich wird die Neuregelung mit ihrer Veröffentlichung im Boletín Oficial del Estado. Übergangs- und Anwendungsfristen ergeben sich aus dem endgültigen Verordnungstext und gegebenenfalls aus ergänzenden Durchführungsbestimmungen. Branchenverbände prüfen nach eigener Darstellung die Auswirkungen auf Personalprozesse und Datentransparenz; Arbeitsrechtler erwarten erhöhten Dokumentationsaufwand für Arbeitgeber, zugleich aber eine belastbarere Grundlage für Anfechtungen missbräuchlicher Entscheidungen. Ob die Norm in Teilen gerichtlich überprüft wird, hängt von ihrer Ausgestaltung im veröffentlichten Text ab. Fest steht: Für neue und bestehende Arbeitsverhältnisse rücken Probezeitpraxis und algorithmische Steuerung von Arbeitsbedingungen stärker in den Fokus – mit unmittelbaren Folgen für Personalabteilungen und Compliance in Spanien.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).