Der baskische Lehendakari Imanol Pradales hat am 27. August 2026 in Donostia-San Sebastián die Reaktion der spanischen Regierung auf die jüngste Migrationskrise in Ceuta als deutlich verbesserungsbedürftig kritisiert. Zugleich bemängelte er, die Europäische Union habe sich in dieser Lage weitgehend entzogen. Nach dem ersten Ministerrat der baskischen Regierung nach der Sommerpause forderte Pradales eine parteiübergreifende Antwort und warnte vor politischer Instrumentalisierung.
Pradales erklärte nach der Sitzung im Palacio Miramar, das baskische Aufnahmesystem für unbegleitete Minderjährige sei derzeit äußerst angespannt und arbeite über der vorgesehenen Kapazität. Konkrete aktuelle Belegungszahlen nannte er nicht. Er kündigte an, die bilateralen Gespräche zwischen der baskischen Regierung und Madrid über Kompetenzen und Ressourcen in der kommenden Woche fortzusetzen. Adressaten seines Appells zu einer „Antwort des Staates“ seien ausdrücklich sowohl Ministerpräsident Pedro Sánchez als auch Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo.
Hintergrund sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegene Ankünfte in Ceuta, die Sekundärverteilungen innerhalb Spaniens angestoßen haben und mehrere Autonomieregionen an Kapazitätsgrenzen bringen. Nach übereinstimmenden Medienberichten haben auch andere Regionen, darunter die Comunidad de Madrid und die Valencianische Gemeinschaft, auf Belastungen hingewiesen und zusätzliche Zuweisungen teilweise abgelehnt. In Euskadi fordert die Regionalregierung eine engere Abstimmung mit der Zentralregierung sowie mit den Nachbarstaaten, um Engpässe an den Grenzstellen im Norden zu verringern.
Die Wortwahl des Lehendakari zielt auf zwei Ebenen: Kurzfristig geht es um zusätzliche Plätze, Personal und Finanzmittel für die Kinder- und Jugendhilfe, damit Schutzstandards eingehalten werden können. Mittelfristig verlangt Pradales einen verlässlichen rechtlichen und finanziellen Rahmen für die Verteilung Schutzsuchender, der regionale Besonderheiten, inklusive Grenzlage und Transitverkehr, berücksichtigt. Seine Kritik an der Europäischen Union verbindet er mit der Erwartung, dass Brüssel in Notlagen koordinierend eingreift und Mitgliedstaaten bei der Unterbringung von Minderjährigen unterstützt.
Die Aussagen fielen bei einer Pressebegegnung nach dem Ministerrat; entsprechende Passagen wurden von regionalen Medien und in Mitschnitten der Termine des Gobierno Vasco wiedergegeben. Aus dem Umfeld der baskischen Regierung heißt es zudem, dass die noch offenen Zuständigkeitstransfers zwischen Madrid und Vitoria-Gasteiz – unabhängig von der aktuellen Lage – ein Schwerpunkt der politischen Agenda im Herbst bleiben sollen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).