Melillas Präsident Juan José Imbroda hat am 8. September in der Messe zu Nuestra Señora de la Victoria mehr Aufmerksamkeit der Europäischen Union für Ceuta und Melilla gefordert. In der Iglesia del Sagrado Corazón rief er dazu auf, dass Europa „seine Augen“ auf die beiden autonomen Städte richte. Zugleich bat er darum, Ceuta möge „die abrupt verlorene Normalität“ zurückgewinnen.
Imbroda verband den religiösen Anlass mit politischer Kritik. Er verlangte eine „feste Antwort“ des spanischen Staates gegenüber Marokko und sprach von der Notwendigkeit, außenpolitische „Komplexe“ abzulegen. Mit Blick auf die nächtlichen Masseneintritte vom 30. und 31. Juli 2026 an der Grenze von Ceuta, die er als „Invasion“ bezeichnete, verwies er in seiner Ansprache auf rund 140 Tote. Die Zahlen sind umstritten: Während staatliche Stellen und Medien in den folgenden Tagen und Wochen mehrfach angepasste, teils deutlich niedrigere Opferstände nannten, berichten zivilgesellschaftliche Organisationen von höheren Werten. Die Diskrepanzen sind Gegenstand andauernder Ermittlungen und amtlicher Überprüfungen.
Der Auftritt erfolgte im Rahmen des lokalen Feiertags zu Ehren von Nuestra Señora de la Victoria. An der Messe nahmen Mitglieder der Stadtregierung sowie zivile und militärische Repräsentanten teil. Imbroda würdigte kirchliche Verantwortliche und betonte „Frieden, Respekt und Solidarität“ als Grundlage des Zusammenlebens in Melilla.
Politisch ordnen sich seine Forderungen in eine breitere Debatte über den Umgang Madrids mit der Lage in Ceuta und Melilla ein. Vertreter beider Städte drängen seit Wochen auf mehr Mitsprache bei Grenz- und Kooperationsfragen sowie auf stärkere europäische Unterstützung. Konkrete neue Entscheidungen auf Ebene der Europäischen Union wurden bislang nicht bekannt. Die spanische Zentralregierung hat Berichte und Dokumente zur Juli-Ereignissen in Ceuta für weitere Prüfungen vorgelegt; Bewertungen und mögliche Folgemaßnahmen stehen aus.
Imbrodas Aussagen sind als politische Zuschreibung zu verstehen. Sie markieren die Interessenlage der Autonomieregierung von Melilla gegenüber Madrid, Marokko und der Europäischen Union. Der unmittelbare Nachrichtenanlass ist die Patronatsfeier; der Rückgriff auf die Ereignisse an der Grenze von Ceuta liefert den aktuellen Bezugspunkt, an dem sich die inner- und europapolitische Auseinandersetzung fortsetzt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).