Hydrologinnen und Hydrologen haben die Pläne der Xunta de Galicia für neue Stauseen deutlich zurückgewiesen. Auslöser sind jüngste Aussagen der Umwelt- und Klimaministerin Ángeles Vázquez, die zum Ende des Sommers 2026 zusätzliche Speicher als Antwort auf wiederkehrende Trockenphasen ins Spiel brachte. Nach übereinstimmenden Berichten regionaler Medien, darunter elDiario.es, argumentieren Fachleute, dass in Galicien bereits zu viele Flüsse gestaut sind und zusätzliche Becken in einem wärmer werdenden Klima vor allem die Verdunstung erhöhen.
Die Expertinnen und Experten warnen zudem vor einer „Illusion der Fülle“: Größere oder zusätzliche Speicher könnten politisch und wirtschaftlich den Eindruck erzeugen, Wasser sei reichlich verfügbar, und so den Verbrauch ankurbeln. Sachlich handle es sich jedoch häufig nur um eine zeitliche Umverteilung der Abflüsse. Die kurzen Laufwege vieler galicischer Flüsse sowie bereits vorhandene Querbauwerke begrenzten die Möglichkeiten, tatsächlich mehr nutzbares Wasser bereitzustellen.
Die Debatte trifft auf eine angespannte Lage nach einem trockenen Sommer, in dem zahlreiche Gemeinden Warnstufen ausgerufen haben. Zuständig für Dürremanagement in der Küsteneinzugszone Galicia Costa ist die Xunta de Galicia; die bedeutende Flussgebietseinheit Miño-Sil unterliegt hingegen der Leitung der Zentralregierung. Diese Aufgabenteilung trägt dazu bei, dass Maßnahmen regional unterschiedlich bewertet und koordiniert werden müssen.
Als Beleg für laufende Eingriffe verweist die Xunta de Galicia auf Arbeiten am Stausee Eiras, der die Versorgung des Großraums Vigo sichert. Dort wurden im Frühjahr provisorische Armaturen installiert, dauerhafte Bauteile sollten nach Regierungsangaben bis zum Ende des Sommers folgen. Die Verwaltung betont zugleich, Augas de Galicia koordiniere Planung, Betrieb und Genehmigungen in der eigenen Zuständigkeit.
Unabhängige Fachleute halten dem entgegen, dass vor neuen Großbauten erst Strategien zur Effizienzsteigerung ausgeschöpft werden sollten: Verringerung von Leitungsverlusten, Modernisierung der Netze, präzisere Steuerung von Entnahmen, konsequente Nachfragebegrenzung in Trockenperioden sowie eine sorgfältige, ökologische Prüfung von Grundwasserpotenzialen. Zusätzliche Stauseen belasteten Fließgewässer, zerschnitten Lebensräume und veränderten den Sedimenttransport – Eingriffe, die sich langfristig auf Fischbestände und Wasserqualität auswirkten und hohe Betriebs- und Folgekosten verursachten.
Politische Zusicherungen zur Versorgung einzelner Ballungsräume, etwa von Vigo, stehen damit in einem Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Sicherheit und langfristigen ökologischen Risiken. Die Berichte fassen zusammen: Der schnelle Bau weiterer Dämme ist nach derzeitiger Fachsicht weder die wirksamste noch die nachhaltigste Antwort auf Trockenheit; verlangt sind vielmehr Management, Effizienz und ein belastbarer Umgang mit der bereits vorhandenen Infrastruktur.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).