Gesellschaft

Behörden melden: Jeder Fünfte unter Spaniens Jugendlichen nutzt das Internet problematisch

Neue amtliche Befunde zeigen bei 14- bis 18-Jährigen in Spanien rund 19 bis 20 Prozent problematische Internetnutzung. Eine Debatte darüber flammt im Sommer erneut auf.

Spaniens Gesundheitsbehörden melden für Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren anhaltend hohe Werte beim problematischen Internetgebrauch. Nach den jüngsten landesweiten Erhebungen des Plan Nacional sobre Drogas, veröffentlicht im Bericht „Adicciones comportamentales y otros trastornos adictivos 2025“, liegt der Anteil der Betroffenen bei knapp einem Fünftel (rund 19 bis 20 Prozent). Die Ergebnisse waren am 9. Februar 2026 vom Ministerio de Sanidad vorgestellt und seither von Medien und Fachstellen breit ausgewertet worden; in aktuellen Sommerbeiträgen ist das Thema erneut aufgegriffen worden, unter anderem auch von Regionalmedien.

Die Kennzahl erfasst Nutzungsweisen, die den Alltag beeinträchtigen – etwa durch Kontrollverlust, psychisches Unwohlsein, Konflikte in Familie und Schule oder Leistungsabfall – ohne zwingend eine klinische Diagnose zu implizieren. Die Datengrundlage stammt aus der Schülerbefragung ESTUDES 2025, an der mehr als 35.000 Jugendliche teilnahmen. Der Bericht differenziert zwischen problematischem Internet- und Sozialmediengebrauch sowie anderen verhaltensbezogenen Risiken wie Online-Glücksspiel, problematische Nutzung von Pornografie oder mögliche Probleme mit Videospielen. In mehreren Indikatoren berichten Mädchen höhere Raten.

Parallel weisen Nutzungsanalysen des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE für die erwachsene Bevölkerung auf mehrstündige tägliche Smartphone-Zeiten hin; die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre kommt demnach auf etwa vier Stunden und mehr pro Tag. Solche Befunde gelten als Kontext für die Verbreitung aufmerksamkeitsschwacher Alltagssituationen, werden aber von Fachleuten nicht automatisch als Sucht interpretiert.

Das Ministerio de Sanidad und der Plan Nacional sobre Drogas leiten aus den Daten prioritäre Aufgaben für Prävention und Versorgung ab. Vorgesehen sind Programme in Schulen, Fortbildungen für Lehrkräfte und Eltern sowie niedrigschwellige Beratungsangebote in der Primärversorgung. Expertinnen und Experten, die in den amtlichen Unterlagen und in Medien wie El País zitiert werden, nennen als häufige Folgen Schlafstörungen, Angstzustände, soziale Spannungen und Lernprobleme. Präventionsansätze setzen auf Medienkompetenz, Struktur im digitalen Alltag und frühe Identifikation von Risikoverläufen.

Gleichzeitig mahnen die Behörden sprachliche Präzision an: Von „Sucht“ ist in den amtlichen Zusammenfassungen nur zurückhaltend die Rede. Identifiziert werden „mögliche“ problematische Nutzungen auf Basis validierter Fragebögen; für eine Diagnose sind individuelle klinische Abklärungen nötig. Offene Punkte betreffen die längerfristigen Auswirkungen intensiver Nutzung, die Wirksamkeit schulischer Maßnahmen und die Rolle algorithmischer Empfehlungen sowie KI-gestützter Dienste im Informationsverhalten Jugendlicher. Klar ist indes: Problematische digitale Nutzung ist in Spanien kein Randphänomen – und bleibt ein politisches und pädagogisches Dauerthema.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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