Die Balearen-Regierung hat am Freitag ihre Tourismuspolitik gegen Kritik aus der Zivilgesellschaft verteidigt. Vor der für Samstag in Palma angekündigten Menschenkette gegen Massentourismus erklärte Regierungssprecher Antoni Costa nach der Sitzung des Consell de Govern, das Kabinett sei sich des Unmuts bewusst und habe bereits gegengesteuert.
Costa nannte als Maßnahmen eine Obergrenze für touristische Plätze, das konsequente Vorgehen gegen illegale Ferienwohnungen mit hohen Sanktionen sowie Beschränkungen für Kreuzfahrtanläufe. Zudem verwies er auf Limits für die Einfahrt von Fahrzeugen nach Eivissa und Formentera. Vergleichbare Regelungen sollen seinen Angaben zufolge im laufenden Jahr auch auf Menorca und Mallorca vorbereitet werden. Die Regierung stellte klar, sie respektiere das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit, erwarte aber einen friedlichen Verlauf der Proteste.
Die Menschenkette, lokal auch als cadena humana und cadena a la fresca beworben, soll am Samstagabend in Palma vom zentralen Platz Plaça d’Espanya bis zum Sitz der Regionalregierung im Consolat de Mar führen. Nach Ankündigung der Organisatoren sollen Freiwillige schriftliche Forderungen der Teilnehmenden einsammeln und an das Govern übergeben. Träger der Aktion sind Nachbarschaftsinitiativen und Aktivistengruppen, die eine stärkere Begrenzung von Besucherströmen, mehr Kontrollen bei Ferienvermietungen sowie Maßnahmen gegen steigende Lebens- und Mietkosten fordern.
Hintergrund ist eine anhaltende Debatte über die soziale und ökologische Belastung auf den Inseln. Während das Govern seine Linie als Steuerung des Angebots beschreibt, kritisieren Initiativen die aus ihrer Sicht zu langsame Umsetzung und verweisen auf frühere Kundgebungen. Nach Vorfällen im Umfeld einer Demonstration Ende Juli prüfen die Behörden einzelne Verdachtsfälle; Costa verwies auf die Zuständigkeit von Polizei und Justiz und äußerte sich nicht zu Details.
Für die politische Bewertung sind nun zwei Punkte zentral: Erstens, ob die angekündigten Kontingente und Beschränkungen zeitnah in Verordnungen und Vollzug überführt werden. Zweitens, ob belastbare Daten zur Entwicklung der Besucherzahlen, der Auslastung touristischer Plätze und der Wirkung der Kreuzfahrt- und Fahrzeuglimits veröffentlicht werden. Daran wird sich entscheiden, ob die Regierung die Erwartungen von Anwohnern und Beschäftigten im Tourismus gleichermaßen erfüllen kann – und ob die angekündigten Ausweitungen auf Menorca und Mallorca tatsächlich greifen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).