Eine neue in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Analyse beziffert die Folgen der extremen Hitze des Sommers 2026: In Europa starben demnach mehr als 50.000 Menschen infolge hoher Temperaturen. Für Spanien ermitteln die Forschenden mehr als 5.000 hitzebedingte Todesfälle. Veröffentlicht wurde die Arbeit am Freitag, 23. Oktober 2026, von Teams des Imperial College London und der London School of Hygiene and Tropical Medicine.
Zwei Drittel der europäischen Todesfälle sind laut der Studie auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen. Ohne die zusätzliche Erwärmung durch Treibhausgasemissionen wären zehntausende Todesfälle ausgeblieben, folgern die Autorinnen und Autoren. Für Spanien zeigt die Auswertung zudem markante städtische Schwerpunkte: Barcelona weist innerhalb des untersuchten europäischen Städtepools die zweithöchste Zahl hitzebedingter Todesfälle auf; Madrid hat demnach den höchsten prozentualen Anteil der Sterbefälle, die auf extreme Temperaturen zurückgeführt werden.
Die Berechnungen beruhen auf gemeldeten Sterbefalldaten und Temperaturreihen für 854 europäische Städte und Regionen im Zeitraum Mai bis September 2026. Mithilfe epidemiologischer Modelle wird der Zusammenhang zwischen Hitze und Sterblichkeit quantifiziert. Parallel werden gegenfaktische Klimadaten simuliert, um abzuschätzen, wie wahrscheinlich die beobachteten Hitzespitzen ohne menschengemachte Erwärmung gewesen wären. Die Ergebnisse sind Schätzwerte mit Unsicherheitsintervallen; sie ersetzen nicht die individuelle medizinische Todesursache auf einer Bescheinigung, sondern weisen zusätzliche Sterblichkeit statistisch der Hitze zu.
Besonders betroffen waren Südeuropa und dicht besiedelte urbane Räume. In Spanien erhöhten mehrtägige Hitzewellen mit hohen Nachtwerten das Risiko zusätzlich. Die Studie unterscheidet zwischen absoluter Zahl der hitzebedingten Todesfälle und ihrem Anteil an allen Sterbefällen: Während Barcelona in absoluten Zahlen auffällt, verzeichnet Madrid anteilig die höchste Zuordnung zu Hitze. Diese Differenz spiegelt unterschiedliche Bevölkerungsstrukturen, Exposition und Verwundbarkeiten wider.
Für Behörden in Spanien sind die Befunde ein aktueller Prüfstein bestehender Hitzeaktionspläne. Die Autorenteams verweisen auf Warnsysteme, zielgruppenspezifische Schutzmaßnahmen für ältere und vorerkrankte Menschen sowie stadtplanerische Anpassungen wie Verschattung und Kühlung als kurzfristig wirksame Hebel. Zugleich betonen sie, dass die Reduktion von Treibhausgasemissionen entscheidend bleibt, um künftige Gesundheitsrisiken in Ausmaß und Häufigkeit zu begrenzen.
Die veröffentlichten Zahlen übertreffen die bisherigen Höchststände seit Beginn der vergleichbaren Aufzeichnungen. Schon 2022 war die durch Hitze geschätzte zusätzliche Sterblichkeit in Europa hoch; der Sommer 2026 markiert nach der nun vorliegenden Auswertung jedoch einen neuen Negativrekord.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).