In Spanien hat die Kreditvergabe im ersten Halbjahr 2026 deutlich an Dynamik bei Konsumkrediten gewonnen, während Hypotheken nur moderat zulegten. Nach den jüngsten Statistiken des Banco de España erreichten Konsumkredite für Dienstleistungen und langlebige Güter 24,5 Milliarden Euro, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Finanzierung von Wohneigentum stieg im selben Zeitraum auf 42,61 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 3,3 Prozent entspricht. Damit wuchsen Konsumkredite rund viermal so schnell wie Hypotheken.
Das Niveau bei Konsumkrediten nähert sich Werten an, die zuletzt vor der Finanzkrise 2008 verzeichnet wurden. Für ein vergleichbares Halbjahr verweisen die Reihen auf 2007, als rund 28,27 Milliarden Euro abgewickelt wurden. Nach Phasen mit schwankender Entwicklung zeigt die Serie seit der Pandemie wieder einen Aufwärtstrend; im Vergleich zum von Lockdowns geprägten ersten Halbjahr 2020 hat sich das genehmigte Volumen in etwa verdoppelt.
Als wesentliche Treiber nennt der Banco de España die seit 2022 anhaltenden Zinserhöhungen der Europäische Zentralbank sowie eine Verschärfung der internen Vergabestandards in den Banken. Höhere Zinsen verteuern insbesondere variabel verzinste, langfristige Finanzierungen, was die Nachfrage nach großvolumigen Hypothekendarlehen dämpft. Gleichzeitig greifen Haushalte häufiger zu zielgerichteten, kürzer laufenden Finanzierungen für Fahrzeuge, Haushaltsgeräte oder Reisen.
Die Notenbank verweist zugleich auf Risiken. Ein anhaltend kräftiges Wachstum bei Konsumkrediten kann die Anfälligkeit privater Haushalte erhöhen, vor allem dort, wo hochverzinsliche Produkte wie revolvierende Kreditkarten oder besonders schnelle Kleindarlehen genutzt werden. Vor diesem Hintergrund betont die Aufsicht die Bedeutung transparenter Information und solider Kreditprüfung; zudem wird über gezielte Regulierungsoptionen für bestimmte Produktklassen diskutiert. Parallel gewinnen digitale Plattformen als Vertriebskanäle für Finanzierungen an Gewicht und stellen zusätzliche Anforderungen an Aufsicht und Verbraucherschutz.
Für die Banken bedeutet der Trend kurzfristig eine breitere Erlösbasis, mittelfristig jedoch potenziell höhere Risikokosten, sollte sich die Konjunktur eintrüben. Für die Realwirtschaft können zusätzliche Konsumfinanzierungen stützende Impulse liefern, während sich die Aktivität am Immobilienmarkt abkühlt. Wie nachhaltig die Verschiebung in der Kreditstruktur ist, hängt maßgeblich von der weiteren Zinsentwicklung, der Einkommenslage der Haushalte und etwaigen regulatorischen Anpassungen ab. Der Banco de España will die Entwicklung der Portfoliorisiken eng verfolgen und verweist auf die Bedeutung frühzeitiger Risikoerkennung in den Instituten.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).