In Madrid haben am Wochenende des 26. und 27. September 2026 Hunderte Menschen ein Protestcamp in der Puerta del Sol errichtet. Angeführt vom Sindicato de Inquilinas drängen sie auf sofortige Entscheidungen der Zentralregierung zum Schutz von Mieterinnen und Mietern. Die Organisatoren knüpfen die Auflösung des Camps daran, dass der Consejo de Ministros am Dienstag, dem 29. September, das von ihnen sogenannte decreto Maricarmen verabschiedet.
Anlass ist der Fall einer 87-jährigen Mieterin, die in den vergangenen Tagen zum Symbol für die Wohnungsdebatte wurde. Ihre drohende Zwangsräumung löste breite Empörung aus und gab den unmittelbaren Anstoß für die Besetzung des Platzes. Nach Angaben der Initiatoren sollen die Zelte so lange stehen bleiben, bis verbindliche Maßnahmen beschlossen werden. Parallel bereiten die Aktivisten laut eigenen Aussagen eine Ausweitung in die Stadtviertel vor, um den Druck zu erhöhen.
Kernforderungen sind mehr Verbindlichkeit im Mietrecht, darunter automatische Vertragsverlängerungen oder die Umwandlung befristeter in unbefristete Mietverträge, sowie ein wirksamer Schutz gegen Zwangsräumungen ohne angemessene Ersatzunterkunft. Zudem verlangen sie Beschränkungen für kurzfristige Vermietungen und wirksamere Instrumente gegen spekulative Umwidmung von Wohnraum. Diese Forderungen werden den Protestgruppen zugeschrieben; amtliche Entwürfe lagen zum Redaktionsschluss nicht vor.
Vor Ort ist das Camp in Funktionsbereiche gegliedert – Schlafzelte, Lager für Lebensmittel und Hygieneartikel sowie Informationspunkte. Die Teilnehmenden stammen aus unterschiedlichen Altersgruppen: junge Erwerbstätige mit prekären Mieten ebenso wie ältere Menschen, die immer wieder Bezüge zum 15-M-Protest von 2011 herstellen. Die Stimmung ist laut Beobachtern überwiegend ruhig, der Ablauf geordnet.
Städtische Stellen reagierten inzwischen mit Kontaktangeboten. Die Empresa Municipal de Vivienda y Suelo nahm nach Angaben der Organisatoren Gespräche auf und vereinbarte Termine, um mögliche individuelle Lösungen für die betroffene Mieterin zu prüfen. Ergebnisse wurden bis zum frühen Montagmorgen nicht bekannt.
Politisch erhöht das Protestcamp den Druck auf die Regierung, kurzfristig zu handeln. Ob und in welcher Form das Kabinett eine Notverordnung beschließen kann, ist offen und hängt vom genauen Umfang der verlangten Regelungen ab. Fest steht: Die Aktivisten sehen den Dienstag als Bewährungsprobe. Bestätigte Regierungsentscheidungen lagen bis zur Veröffentlichung dieses Berichts nicht vor; Bewertungen zu möglichen Folgen beruhen daher auf Einschätzungen der Protestorganisationen und auf vorliegenden Medienberichten.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).