Die Oppositionsfraktion des Partido Popular (PP) im Rathaus von Las Palmas de Gran Canaria wirft der Bürgermeisterin Carolina Darias fehlende Reaktionsfähigkeit auf eine wachsende Obdachlosigkeit vor. Fraktionschefin Jimena Delgado verwies auf aktuelle städtische Registrierungen von 204 betreuten Menschen ohne festen Wohnsitz; 81 Fälle entfallen auf Isleta‑Puerto‑Guanarteme, 77 auf den Distrikt Centro, 25 auf Ciudad Alta und 21 auf Vegueta‑Cono Sur‑Tafira. 86,2 Prozent der erfassten Personen seien Männer. Die Zahlen seien der PP von der Stadtverwaltung übermittelt worden.
Gleichzeitig bezweifelt die PP, dass die amtlichen Register die Lage vollständig abbilden. Delgado berief sich auf eine im April 2026 veröffentlichte Schätzung der Obra Social de Acogida y Desarrollo, nach der mehr als 500 Menschen in der Hauptstadt im Freien übernachten. Aus Sicht der Opposition spreche die Differenz dafür, dass die Erfassung unvollständig sei. Als Ursache nennt die PP unter anderem, dass der städtische Streetwork‑Dienst seit 2020 keine nächtlichen Einsätze mehr vornehme.
Konkret kritisiert die PP Verzögerungen bei der Inbetriebnahme der ehemaligen Fábrica de Hielo als Aufnahme- und Tageszentrum sowie den schleppenden Fortgang des neuen kommunalen Plans gegen Obdachlosigkeit. Die zugehörige Kommission habe bislang lediglich zwei Sitzungen absolviert, so Delgado. Die Fraktion fordert zusätzliche Anlaufstellen und eine einheitliche Anlaufstelle zur schnellen Weitervermittlung in Unterkunft und Hilfen.
Die am 21. August erhobenen Vorwürfe richten sich gegen die Verwaltung von Bürgermeisterin Darias. In der zugrunde liegenden Meldung wurde keine Stellungnahme der Stadt wiedergegeben. Bereits seit Monaten streiten Mehrheit und Opposition in Las Palmas de Gran Canaria über Umfang und Personal der sozialen Dienste. Die PP hatte in der Vergangenheit die Schaffung weiterer Zentren beantragt und warf der Stadtführung vor, Investitionen zu verzögern.
Sachlich unterscheidet sich, was gezählt wird: Die kommunale Statistik bezieht sich auf von städtischen Diensten betreute Fälle, während Schätzungen von Hilfsorganisationen in der Regel Menschen erfassen, die im öffentlichen Raum übernachten und nicht zwangsläufig Leistungen in Anspruch nehmen. Die Diskrepanz ist in spanischen Großstädten nicht unüblich, erschwert aber die Bewertung von Trends. Politisch verstärkt sie den Druck, Zwischenstände zu veröffentlichen und Projekte wie die Fábrica de Hielo terminlich zu präzisieren.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).