Bei einer Parteiversammlung in La Garriga hat Míriam Nogueras am 17. Oktober erklärt, Junts könne mit ausreichend Mandaten „in allem, was in Madrid passiert“, mitbestimmen. Die Kandidatin von Junts für die Provinz Barcelona stellte diesen Anspruch als zentrales Ziel für die spanischen Parlamentswahlen am 29. November 2026 heraus. Der Auftritt erfolgte beim Consell Nacional der Partei in Katalonien.
Nogueras verknüpfte die Aussage mit der Rolle von Schlüsselparteien in Spaniens fragmentiertem Parlamentarismus. Bei knappen Mehrheiten könne eine mittelgroße Fraktion Haushalte, Investitionen oder Gesetzesvorhaben mitgestalten, sagte sie. Das verweist auf institutionelle Hebel im Congreso de los Diputados: Die Regierungsbildung erfordert zunächst eine Investiturabstimmung, in der fehlende absolute Mehrheiten Kooperationsmodelle nötig machen; der Staatshaushalt und sektorale Finanzierungsgesetze passieren Fachausschüsse und Plenum, wo jede Stimme zählt. Auch die Besetzung der Mesa des Kongresses und die Arbeit in Kommissionen entscheiden maßgeblich über die Agenda und Reichweite von Vorhaben.
Junts präsentiere sich als Kraft, die zwischen politischen Blöcken Einfluss nehme und für Katalonien greifbare Ergebnisse aushandeln wolle. Nogueras’ Botschaft zielt darauf, Blockaden zu vermeiden und aus Verhandlungen Zusatznutzen für Regionen zu ziehen, etwa bei Finanzen, Infrastruktur und Kompetenzen mit regionaler Bedeutung. In den vergangenen Wochen hatte die Parteiführung wiederholt betont, dass Verhandlungsmacht im Kongress vor allem dann entstehe, wenn Regierungsbildungen auf Unterstützung mehrerer Fraktionen angewiesen sind. Welche Hebel sich tatsächlich eröffnen, hängt von der Sitzverteilung nach dem 29. November 2026 ab.
Andere Parteien reagieren auf diese Positionierung teils skeptisch. Befürworter eines stabilen Zweiblöckensystems warnen, ein überproportionaler Einfluss kleinerer Fraktionen könne Entscheidungen verlangsamen oder verteuern. Junts verweist demgegenüber auf frühere Phasen knapper Mehrheiten, in denen regionale Anliegen im nationalen Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt wurden. Die Partei spricht in diesem Zusammenhang von einer „Zentralität“, die sie zwischen den beiden großen politischen Lagern in Spanien einnehmen wolle.
Faktisch richtet sich die Strategie von Junts auf Verhandlungsmacht in Schlüsselabstimmungen. Dazu zählen die Investitur des Regierungschefs, die Verabschiedung des Staatshaushalts und Dossiers mit unmittelbarer Wirkung für Katalonien. Ob und in welcher Form es zu Absprachen kommt, bleibt offen; Zusagen vor der Wahl wurden von Nogueras nicht benannt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).