Barcelonas Bürgermeister Jaume Collboni hat am 19. August nach mehreren jüngsten Schießereien in der Stadt höhere Strafrahmen für den illegalen Besitz von Schusswaffen und für den Drogenhandel gefordert. Die Vorfälle stünden seiner Einschätzung nach vielfach im Zusammenhang mit Drogenkriminalität. Man setze viel Vertrauen in die Arbeit der Mossos d'Esquadra und der Guardia Urbana, alle Ereignisse würden polizeilich untersucht, sagte Collboni bei einem Besuch der Escola Bressol la Mar im Viertel Barceloneta.
Parallel verweist das Rathaus auf bereits beschlossene Maßnahmen zur Überwachung öffentlicher Räume. Demnach sollen noch in diesem Jahr rund 100 zusätzliche Videokameras in Barcelona installiert werden, darunter 30 in der Anilla Olímpica, 11 an den Búnkers del Carmel und 19 im Parque de la Pegaso, wo zuvor ein minderjähriger Jugendlicher erschossen worden war. Collboni stellte diese Schritte in einen breiteren Kontext aus Sicherheits- und Sozialpolitik: Für die Barceloneta nannte er Investitionen des Ayuntamiento von 46 Millionen Euro, um das Wohnumfeld aufzuwerten und die Bindung der Anwohner an das Viertel zu stärken.
Als Hintergrund der aktuellen Debatte dient die Sicherheitslage im ersten Halbjahr 2026. Nach in der Junta Local de Seguridad am 20. Juli vorgelegten Zahlen ging die registrierte Gesamtkriminalität gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 11 Prozent zurück. Zugleich stieg die Zahl der Tötungsdelikte in Barcelona auf neun Fälle, von denen mehrere mit kriminellen Strukturen in Verbindung gebracht wurden. Die Behörden führen dies unter anderem darauf zurück, dass Schusswaffen in unteren Ebenen des Drogenmilieus häufiger anzutreffen sind als noch vor einigen Jahren.
Die von Collboni geforderte Strafverschärfung beträfe den nationalen Gesetzgeber; die Stadt kann sie nicht eigenständig beschließen. Damit verläuft die Diskussion entlang zweier Stränge: kurzfristige operative Antworten – Ermittlungen, Präsenz und technische Überwachung – auf der einen Seite und rechtspolitische Änderungen des Strafrahmens auf der anderen. Während die Stadtverwaltung auf konsequente Strafverfolgung und sichtbare Prävention setzt, bleibt die Ausgestaltung möglicher Gesetzesänderungen eine Frage für Madrid und bedarf konsensfähiger Mehrheiten.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).