Madrid, 11. Oktober 2026 — Die spanische Regierung hat in einer schriftlichen Antwort an den Kongress eingeräumt, dass sie seit 2022 verhängte Verwaltungsstrafen gegen Betreiber illegaler Online-Glücksspiele im Gesamtumfang von 465.427.500 Euro bislang nicht eingezogen hat. Nach Regierungsangaben entfielen 128.427.500 Euro auf 2022, 150.000.000 Euro auf 2023, 96.000.000 Euro auf 2024, 51.000.000 Euro auf 2025 und 40.000.000 Euro auf 2026. Adressat der Antwort ist die Oppositionsfraktion der Partido Popular.
Als Hauptgründe nennt die Exekutive die grenzüberschreitende Struktur vieler Anbieter: Sie verfügten über keinen festen Geschäftssitz in Spanien, seien in nicht kooperativen Jurisdiktionen registriert und wechselten fortlaufend Domains, Zahlungswege und technische Dienstleister. Dadurch entstünden rechtliche und praktische Hürden bei der Vollstreckung von Geldbußen, die auf Basis des spanischen Verwaltungsrechts verhängt werden.
Die Regierung verweist zugleich auf ergänzende Durchsetzungsinstrumente der Dirección General de Ordenación del Juego (DGOJ). Dazu zählen Sperrverfügungen gegen Domains, Eingriffe in Zahlungsströme sowie Maßnahmen zur Verringerung der Sichtbarkeit illegaler Angebote. Diese Instrumente sollen den Zugang zum spanischen Markt unmittelbar erschweren und Wiederholungsfälle dokumentieren. Laut Darstellung der Regierung können dokumentierte Verstöße zudem bei späteren Zulassungsverfahren zu Marktausschlüssen führen und andere regulatorische Eingriffe vorbereiten.
Fachleute und Branchenvertreter bewerten die Diskrepanz zwischen Sanktionspraxis und Vollstreckung unterschiedlich. Einerseits gelten hohe Bußgelder als rechtliche Abschreckung. Andererseits bleibt ihre Wirkung begrenzt, wenn Schuldner außerhalb der Reichweite nationaler Vollstreckungsinstrumente operieren. Kritiker fordern deshalb zusätzliche internationale Vollstreckungsabkommen und effektivere Mechanismen zur Sicherung und Rückführung von Vermögenswerten. Befürworter des aktuellen Ansatzes verweisen hingegen auf die unmittelbaren operativen Störungen illegaler Angebote durch Sperren und Zahlungsunterbrechungen.
Die DGOJ ist die staatliche Aufsichtsbehörde für das Online-Glücksspiel. Jüngste Verwaltungsakte belegen eine engere Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Stellen, insbesondere mit Red.es in Domainfragen. Ein im Boletín Oficial del Estado am 28. September 2026 veröffentlichtes Kooperationsabkommen regelt unter anderem Datenverarbeitung und Auskunftswege zwischen den Behörden. Ziel ist es, Verfahren zu beschleunigen und die Wirksamkeit administrativer Eingriffe zu erhöhen.
Die jetzt genannten Zahlen und Begründungen gehen auf die aktuelle schriftliche Regierungsantwort an den Kongress zurück. Der Vorgang schärft den politischen Streit über die Strategie gegen illegale Angebote: Während die Partido Popular stärkere internationale und strafprozessuale Hebel verlangt, betont die Regierung die Priorität schneller administrativer Eingriffe und den Aufbau belastbarer Datengrundlagen für weitergehende Maßnahmen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).