Die Generalitat de Catalunya übernimmt künftig bei Personen über 40 Jahren die Hälfte des Preises der ersten Wohnung. Präsident Salvador Illa kündigte das neue Kaufmodell am 29. September 2026 im Parlament in Barcelona an. Für die Anschubphase stellt die Regierung rund 100 Millionen Euro bereit. Zielgruppe sind Haushalte mit stabilen, aber für eine Vollfinanzierung unzureichenden Einkommen, die bislang an der hohen Eigenkapitalanforderung scheitern.
Nach Illas Darstellung handelt es sich um eine in Spanien bislang nicht genutzte Konstruktion der staatlichen Beteiligung am Erwerb. Die konkrete Ausgestaltung – Eigentumsquoten, Rückkauf- oder Ausübungsrechte sowie Einkommens- und Wertgrenzen – soll die Generalitat in den kommenden Wochen per Ausführungsbestimmungen festlegen. Klar ist: Gefördert wird der Ersterwerb; die Beteiligung der öffentlichen Hand soll den Zugang zu Hypotheken erleichtern, ohne private Mittel vollständig zu ersetzen.
Flankierend will die Regierung Zwangsräumungen stärker vorbeugen. Dafür richtet sie einen Fonds in Höhe von 25 Millionen Euro ein, mit dem Wohnungen von Haushalten in „extremer Verwundbarkeit“ aufgekauft werden können, um deren Verbleib zu sichern. Illa ordnete die Maßnahmen in eine Wohnungsagenda ein, die er als zentral für Wohlstand und soziale Stabilität in Katalonien bezeichnete.
Zudem werden die sogenannten Emancipación‑Darlehen für junge Erwachsene ausgeweitet. Details zu Altersgrenzen, Beträgen und Laufzeiten nannte Illa in seiner Grundsatzrede nur umrissen; sie sollen mit der Verordnung zum neuen Modell veröffentlicht werden. Der Zeitpunkt der Ankündigungen fällt in die jährliche Debatte zur allgemeinen Politik (DPG) des Parlaments von Katalonien, in der die Regierung ihren Kurs erläutert und Schwerpunkte setzt.
Interessen und Reaktionen gehen auseinander. Sozialverbände begrüßen den Ansatz, weil er kurzfristig Hürden am Markt senken und besonders gefährdete Haushalte absichern könne. Aus der Wohnungswirtschaft kommen Hinweise auf rechtliche und administrative Komplexität sowie die Frage nach der Hebelwirkung: Mit welchem Volumen lassen sich tatsächlich Transaktionen auslösen, und welche Preiswirkungen sind zu erwarten? Oppositionelle Stimmen fordern darüber hinaus Transparenz über Auswahlkriterien und eine klare Kappung von Kaufpreisen, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden.
Die Generalitat kündigte an, Vergaberegeln, Einkommensschwellen, regionale Prioritäten und Kontrollmechanismen zeitnah zu veröffentlichen. Bis zur Vorlage dieser Bestimmungen bleibt offen, wie die Beteiligung bilanziell behandelt wird und ob die öffentliche Hand Minderheits- oder hälftige Miteigentumsverhältnisse verankert. Fest steht der politische Rahmen: Katalonien setzt beim Zugang zu Wohnen auf eine Kombination aus direkter Kaufbeteiligung, präventivem Erwerbsfonds und ausgebauten Jugendkrediten.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).