Im Mittelmeer sind in den ersten vier Monaten 2026 deutlich mehr Menschen gestorben oder verschwunden als im Vorjahr, obwohl die registrierten Ankünfte auf mehreren Routen sanken. Das geht aus neuen Auswertungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hervor. Vor den Balearen wurden zugleich wiederholt kleine Boote abgefangen; jüngst retteten Einsatzkräfte 11 Migranten südlich von Formentera.
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) verzeichnete laut ihrem Missing Migrants Project auf der Route Zentrales Mittelmeer 821 Todes- und Vermisstenfälle – ein Plus von 111 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025. Die Ankünfte auf dieser Route gingen zugleich um 46 Prozent auf 8.577 zurück. Mehr als die Hälfte der Todesfälle (430) entfielen demnach auf den Januar, als Zyklon Harry die Region traf. Im östlichen Mittelmeer dokumentierte die IOM 244 Tote, ein Anstieg um 259 Prozent; zahlreiche Opfer standen mit Havarien nahe Kreta in Verbindung.
Für Spanien zeichnet die Organisation ein gemischtes Bild: Die Ankünfte auf der Atlantikroute zu den Kanaren sanken im gleichen Zeitraum um 78 Prozent, während sie auf der Route Westliches Mittelmeer um 66 Prozent zunahmen.
Einordnung: Die IOM führt die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück – extreme Wetterlagen, anhaltende Konflikte, wirtschaftlichen Druck und Änderungen migrationspolitischer Maßnahmen, die die Routenwahl beeinflussen. Fachstellen betonen, dass ein Rückgang registrierter Ankünfte kein verlässlicher Indikator für sinkende Risiken ist: Verlagerungen der Routen und verstärkte Kontrollen können dazu beitragen, dass riskantere und schlechter dokumentierte Passagen gewählt werden.
Interessen und Folgen: Für die Balearen bedeuten die jüngsten Vorfälle eine anhaltende Belastung für die Seenotrettung und die Erstaufnahme. Hilfsorganisationen fordern angesichts der Zahlen zusätzliche Such- und Rettungskapazitäten sowie erweiterte legale Zugangswege. Behörden in Spanien und der EU verweisen auf Prävention, Grenzmanagement und Kooperationen mit Drittstaaten; die konkrete Ausgestaltung bleibt politisch umstritten.
Ausblick: Ob der Anstieg der Opferzahlen anhält, ist offen. Einfluss haben dürften die Witterung in den kommenden Monaten, Konfliktverläufe entlang der Routen und die Wirkung neuer Maßnahmen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).