Der Vorsitzende der Partido Popular, Alberto Núñez Feijóo, schließt eine Zusammenarbeit mit Vox nach den anstehenden Parlamentswahlen nicht aus. In der Sendung Hoy por Hoy auf Cadena SER sagte er am 23. Oktober, er sei bereit, eine Mehrheit „mit Vox zu komplettieren“, wenn das Wahlergebnis dies erfordere. Zugleich formulierte er sein Hauptziel: Ministerpräsident Pedro Sánchez abzulösen.
Feijóo umriss in dem Interview auch politische Vorhaben für den Fall einer Regierungsübernahme. Er wolle das Ministerium für Gleichstellung abschaffen und dessen Zuständigkeiten in andere Ressorts integrieren. Zudem kündigte er an, die Regelungen zu Schwangerschaftsabbruch und Euthanasie zu überprüfen. Diese Punkte wurden am Donnerstag übereinstimmend von RTVE und Europa Press aufgegriffen.
Mit seiner Öffnung gegenüber Vox markiert Feijóo eine strategische Klärung vor den anstehenden Parlamentswahlen. Sie soll die Option eines konservativen Regierungswechsels sichern, falls die Partido Popular allein keine tragfähige Mehrheit erreicht. Gleichzeitig versucht die PP, Wählerinnen und Wähler in der politischen Mitte nicht zu verschrecken, indem sie die Zusammenarbeit mit Vox als Ergebniswahl und nicht als Wunschkoalition darstellt.
Reaktionen folgten rasch. Vertreterinnen der PSOE und anderer linker Bündnisse warnten, eine konservative Mehrheit getragen von Vox werde den Schutz von Minderheiten und Gleichstellungsanliegen zurückdrängen und Grundpfeiler liberaler Reformen wie das Euthanasiegesetz infrage stellen. Stimmen aus dem konservativen Lager argumentieren dagegen, es gehe um Regierungsfähigkeit in einem fragmentierten Parlament; eine Verständigung mit Vox könne eine stabile Mehrheit ermöglichen, sofern programmatische Schnittmengen ausreichen.
Offen bleibt, wie klar Feijóo seine roten Linien gegenüber Vox zieht. In mehreren Regionen Spaniens regieren PP und Vox bereits zusammen oder mit punktuellen Vereinbarungen; nationale Gespräche würden indes stärker im Scheinwerferlicht stehen und an höheren Hürden gemessen. Welche Konstellationen realistisch sind, entscheidet sich erst mit der Sitzverteilung nach der Wahl. Dann werden die Fraktionen ausloten, ob Minderheitsmodelle mit Duldung, formale Koalitionen oder wechselnde Mehrheiten tragfähig sind. Klar ist: Der Spielraum für Taktik endet mit dem offiziellen Beginn von Verhandlungen; ab dann zählen belastbare Zusagen und Kompromissformeln, die parlamentarisch halten.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).