Die Europäische Zentralbank hat am 30. Oktober 2026 die Ergebnisse der Survey of Professional Forecasters für das vierte Quartal veröffentlicht. Demnach wurden die kurz- und mittelfristigen Inflationserwartungen für den Euroraum gegenüber der vorherigen Erhebung nach oben revidiert. Gleichzeitig bleiben die längerfristigen Erwartungen bei 2,0 Prozent verankert. Die Veröffentlichung ist auf der Website des Banco de España abrufbar und wird von der Deutschen Bundesbank zusammenfassend dargestellt.
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank führen die befragten Fachleute die Aufwärtskorrekturen vor allem auf gestiegene Energiepreise und deren indirekte Effekte zurück. Damit signalisiert die Umfrage, dass externe Preisimpulse den disinflationären Trend bremsen können, ohne die Verankerung der längerfristigen Inflationserwartungen zu lösen. Die Stabilität bei 2,0 Prozent gilt geldpolitisch als Referenzgröße.
Die Survey of Professional Forecasters ist eine vierteljährliche Befragung professioneller Prognostiker. Sie ergänzt die Projektionen der Institutionen im Euroraum und wird von Märkten und Notenbanken als Indikator für die Erwartungen zu Inflation und Wachstum beobachtet. Die Ergebnisse sind keine Prognose der Zentralbank, sondern bündeln Einschätzungen der Teilnehmer. Aussagen zur künftigen Geldpolitik enthält die Erhebung nicht; Entscheidungen bleiben dem EZB-Rat vorbehalten und werden von zusätzlichen Realwirtschafts- und Preisdaten bestimmt.
Für Spanien bedeutet die Revision der Inflationserwartungen im Euroraum keinen automatischen Preisschub im Inland. Der Befund erhöht jedoch die Aufmerksamkeit für mögliche Zweitrundeneffekte in Lohnverhandlungen sowie für die Entwicklung von Energieimportkosten und Finanzierungsbedingungen. Spanische Institutionen, darunter der Banco de España, verweisen in ihrer Kommunikation auf die Survey of Professional Forecasters als ergänzende Informationsquelle. Sie ist eine von mehreren Grundlagen, auf die sich wirtschaftspolitische Bewertungen stützen.
Im Ergebnis spiegelt die aktuelle Umfrage einen gemischten Befund: kurzfristig höherer Preisauftrieb im Euroraum, langfristig weiterhin ein auf 2,0 Prozent ausgerichteter Erwartungsanker. Diese Kombination reduziert zwar das Risiko von Entankerungen, weist aber zugleich auf eine erhöhte Unsicherheit in der näheren Perspektive hin. Welche Schlussfolgerungen die Geldpolitik daraus zieht, wird in den anstehenden Sitzungen der Europäischen Zentralbank zu bewerten sein.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).