Die Subgobernadora des Banco de España, Soledad Núñez, hat am 23. September 2026 in Madrid vor einem stark wachsenden Mangel an Wohnungen gewarnt. In ihrer Schlussrede beim Forbes Economic Summit 2026 bezifferte sie das seit 2021 aufgelaufene Defizit auf rund 755.000 Einheiten. Ohne entschlossene Gegenmaßnahmen könne der Fehlbestand bis 2028 um weitere etwa 300.000 Wohnungen steigen und damit die Marke von einer Million überschreiten.
Núñez ordnete die Zahlen in eine breitere wirtschaftliche Lage ein. Geopolitische Spannungen, schwankende Energiepreise und Anpassungskosten an den technologischen Wandel beeinflussten Angebot und Preise am Wohnungsmarkt. Das setze insbesondere junge Haushalte und Neuankommende in Spanien unter Druck. Zugleich verwies sie auf eine solide Ausgangslage im Bankensektor: Die Kreditvergabe bleibe vorsichtig, Kapitalquoten und Liquiditätskennziffern lagen nach Angaben des Instituts per Juni 2026 höher als zuvor.
Der Banco de España leitet daraus politischen Handlungsbedarf auf der Angebotsseite ab. Genannt wurden beschleunigte Genehmigungsverfahren, bessere Koordination mit Infrastrukturinvestitionen und eine Förderarchitektur, die dauerhaft verfügbaren Wohnraum schafft. Nach Einschätzung des Instituts entfalten punktuelle Eingriffe auf der Nachfrageseite ohne zusätzliche Bautätigkeit oft nur begrenzte Wirkung oder steigern kurzfristig die Preise.
Die genannten Größenordnungen beruhen auf der veröffentlichten Rede des Banco de España. Sie trennen zwischen festgestellten Beständen (Defizit seit 2021) und einer Projektion bis 2028. Prognosen sind mit Unsicherheiten behaftet; das Institut kündigte an, seine Einschätzungen in den kommenden Wochen zu aktualisieren. Klar ist aus Sicht von Núñez, dass das strukturelle Wohnungsdefizit neben sozialen Folgen auch wirtschaftliche Risiken birgt: Es dämpft Mobilität und Produktivität, erschwert die Anpassung an regionale Arbeitskräftenachfrage und bindet Einkommen in steigenden Mieten.
Für die öffentliche Hand entsteht damit ein Zielkonflikt zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristiger Ausweitung des Angebots. Núñez betonte, Reformen müssten Planungs- und Bauzeiten verkürzen, rechtliche Unsicherheit reduzieren und Flächen effizienter nutzen. Parallel seien Datenqualität und Monitoring zu verbessern, um Wirkungen von Maßnahmen zeitnah zu bewerten. Der Banco de España stellt die Wohnraumversorgung damit als zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe und makroökonomische Stabilität heraus – und als Prüfstein für die Handlungsfähigkeit von Staat, Regionen und Kommunen in Spanien.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).