Die spanische Notenbank erwartet eine deutliche Verschärfung der Wohnungsknappheit. Nach Worten der Subgouverneurin des Banco de España, Soledad Núñez, summiert sich die seit 2021 aufgelaufene Lücke derzeit auf rund 755.000 Wohnungen. Setzten sich die aktuellen Trends fort, könnte das Defizit bis 2028 um weitere etwa 300.000 Einheiten anwachsen und damit die Marke von einer Million überschreiten. Núñez äußerte sich am 23. September beim Forbes Economic Summit in Madrid.
Die Bank führt die Entwicklung vor allem auf ein strukturelles Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zurück. Reale Immobilienpreise hätten sich seit 2024 spürbar beschleunigt und lägen wieder auf Niveaus wie um 2005, also vor dem Platzen der damaligen Immobilienblase. Zugleich steige die finanzielle Belastung beim Erwerb einer Wohnung schneller als die Einkommen der Haushalte. Besonders betroffen seien jüngere Käufer und Zuziehende in den großen Städten.
Die Aussagen knüpfen an frühere Analysen des Banco de España an, die auf eine anhaltende Unterproduktion neuer Wohnungen hinweisen. Demnach konzentriert sich der Mangel in den großen Ballungsräumen, während in anderen Regionen Leerstände bestehen. Fachleute verweisen als mögliche Gegenmittel auf beschleunigte Planungsverfahren, eine höhere Nutzung bestehender Flächenreserven und Anreize für Neubau und Sanierung. Diese Punkte stellte Núñez als komplexe, aber notwendige Stellschrauben dar; konkrete politische Beschlüsse nannte sie nicht.
Im selben Auftritt sprach Núñez die Rolle neuer Finanzintermediäre an. Neobanken und weitere Anbieter sammelten zunehmend Ersparnisse ein; zu prüfen sei, ob diese Mittel ausreichend in produktive Investitionen und in den Wohnungsbau flössen. Das sei keine Feststellung, sondern eine Aufforderung an Politik und Branche, die Finanzierungswege zu überprüfen.
Ein Blick auf die längerfristige Entwicklung unterstreicht die Spannungen: Während die reale verfügbare Einkommen der Haushalte in Spanien seit 1980 laut Bank um den Faktor 1,8 zulegten, stiegen reale Wohnungspreise um den Faktor 3,5. In der Eurozone liegen die entsprechenden Größenordnungen bei etwa 1,6 und 1,8. Medien wie El País ordnen diese Diskrepanz als Ausdruck struktureller Knappheit und regulatorischer Hürden ein. Prognosen bleiben naturgemäß unsicher; die Notenbank formuliert hier eine Warnung, keine Gewissheit. Der aktuelle Anlass ist die öffentliche Bewertung durch die Subgouverneurin in Madrid, die den politischen Handlungsdruck beim Wohnungsbau in Spanien erhöht.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).