Vox-Chef Santiago Abascal hat am 22. Oktober 2026 bei einem Auftritt in Burgos der Zentralregierung vorgeworfen, Proteste gegen Veranstaltungen seiner Partei aus dem Palacio de la Moncloa hinaus gezielt zu planen und zu orchestrieren. Abascal sprach von einer „organisierten Gewalt“, die darauf ziele, Kundgebungen von Vox zu stören und Anhänger einzuschüchtern. Für den Vorwurf einer von oben gesteuerten Kampagne legte er in seiner öffentlichen Erklärung keine nachprüfbaren Belege vor.
Die Regierung in der Region Madrid widersprach zeitnah: Der Delegado del Gobierno in Madrid erklärte in Bezug auf jüngste Vorfälle in der Hauptstadt, die registrierten Ausschreitungen seien nicht Ausdruck einer zentral gelenkten Operation. Nach seiner Darstellung gehen die Störungen maßgeblich auf das Verhalten einzelner „Exaltados“ zurück, also eines kleinen, besonders aufgewiegelten Personenkreises. Auswertungen von Aufnahmen und erste polizeiliche Lagebilder deuteten demnach auf wenige gewalttätige Akteure hin, nicht auf eine umfassende Struktur.
Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase intensiver Mobilisierung in Madrid. Seit Mitte Oktober dauert ein Lehrkräfteprotest an, der in mehreren Stadtteilen zu Demonstrationen, zuweilen auch zu Rangeleien zwischen Teilnehmern und Einsatzkräften, geführt hat. Im Umfeld zentraler Plätze wie der Puerta del Sol verdichten sich die politischen Deutungen der Ereignisse: Oppositionsvertreter sprechen von gezielter Einschüchterung, Regierungsvertreter verweisen auf das Versammlungsrecht, aber auch auf die Pflicht, Gewalt zu unterbinden. Beide Seiten reklamieren die Deutungshoheit über die Ursachen der Vorfälle.
Unabhängig von der politischen Debatte prüfen die Sicherheitsbehörden den konkreten Geschehensablauf. Ermittlungen sollen klären, welche Personen an Übergriffen beteiligt waren und ob es Anzeichen für koordinierte Gruppen jenseits spontan agierender Störer gibt. Bislang liegen keine öffentlich belegten Hinweise vor, die den Schluss auf eine Steuerung aus der Regierungszentrale rechtfertigen würden. Zugleich ist nicht auszuschließen, dass bei künftigen Auswertungen weitergehende Strukturen erkennbar werden. Bis entsprechende Ergebnisse vorliegen, bleibt der Streit über die Verantwortlichkeiten vor allem politisch.
Abascals Zuspitzung entspricht einer seit Langem vertretenen Linie seiner Partei, die Proteste gegen rechtspopulistische Kundgebungen als politisch instrumentalisiert deutet. Die Stellungnahmen aus Madrid betonen demgegenüber, dass Eingriffe der Polizei verhältnismäßig zu bleiben hätten und Fehlverhalten überprüft werde. Damit stehen sich zwei Lesarten gegenüber: eine Absichtsbehauptung ohne belegte Nachweise und eine behördliche Bewertung, die Vorfälle einzelnen Tätern zurechnet und eine umfassende Steuerung verneint.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).