In Spaniens zwei größten Städten dauern die Wohnproteste an: In der Puerta del Sol in Madrid und auf der Plaça Catalunya in Barcelona campieren seit Ende September zahlreiche Menschen, um auf die Mietkrise und fehlenden Schutz vor Zwangsräumungen hinzuweisen. Am 4. Oktober meldeten Organisatoren und Medien eine anhaltende Präsenz mit stetigem Zulauf.
Zahlenangaben schwanken je nach Quelle und Zeitpunkt. Das Sindicato de Inquilinas bezifferte die Zahl der Zelte und provisorischen Strukturen in Madrid auf mehr als tausend. In Barcelona wuchs die anfangs rund fünfzig Zelte umfassende Aktion laut Berichten von EFE und Europa Press bis Anfang Oktober auf etwa 200 an. Der Sindicat de Llogateres unterstützt die Proteste, betont jedoch, nicht alleiniger Initiator zu sein. Vor Ort werden Asambleas abgehalten, in denen Forderungen und weitere Schritte abgestimmt werden.
Die Beweggründe der Teilnehmenden sind ähnlich: Viele berichten, einen großen Teil ihres Einkommens für Miete aufbringen zu müssen, häufig nur für ein Zimmer in Wohngemeinschaften. Einige sind aus Kostengründen zu ihren Eltern zurückgezogen oder erwägen einen Umzug in andere Regionen. Kritisiert werden aus Sicht der Protestierenden unzureichende staatliche Maßnahmen zur Mietregulierung sowie Lücken beim Schutz vor Zwangsräumungen.
Behördliche Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Die Generalitat de Catalunya erklärte, das Versammlungsrecht auf der Plaça Catalunya zu respektieren; der Stadtrat von Barcelona und die Guardia Urbana beobachten die Lage. In Madrid verweist das Rathaus auf mögliche Beeinträchtigungen des öffentlichen Raums und kündigt Kontrollen an. Etwaige ordnungs- oder strafrechtliche Schritte stellen die Behörden in beiden Städten in Aussicht, sollten Sicherheitsrisiken oder Sachschäden auftreten.
Politisch erhöhen die Lager den Druck auf Regierung und Kommunen. Im Fokus stehen die Ausgestaltung und Umsetzung jüngster Wohnungsdekrete, insbesondere Fragen der Mietobergrenzen, der Vertragsverlängerungen und des Räumungsschutzes für vulnerable Haushalte. Ob die Camps kurzfristig zu konkreten Nachbesserungen führen, ist offen und hängt von laufenden Verhandlungen und Entscheidungen auf nationaler und regionaler Ebene ab. Klar ist bereits, dass die Aktionen das Thema Wohnen erneut ganz oben auf die Agenda gesetzt haben – weit über Madrid und Barcelona hinaus.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).