Im Regionalparlament von Castilla y León hat der Vox-Fraktionssprecher David Hierro am 7. Oktober 2026 den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez während einer Plenardebatte als „Psychopath“ bezeichnet. Die sozialistische Fraktion (PSOE) beantragte daraufhin, die Passage aus dem offiziellen Sitzungsprotokoll, dem Diario de Sesiones, zu entfernen. Hierro weigerte sich, die Äußerung zurückzunehmen.
Der Zwischenfall ereignete sich während der Beratung einer gemeinsamen nichtgesetzlichen Initiative von Partido Popular und Vox zur Ausweitung der digitalen Infrastruktur in Castilla y León. Der Antrag fordert eine flächendeckende Versorgung mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde sowie den Abschluss des Glasfaserausbaus, um eine umfassende 5G-Abdeckung zu ermöglichen. In seinem Redebeitrag warf Hierro der Zentralregierung mangelnde Investitionen in der Region vor und griff Sánchez persönlich an. Vertreterinnen und Vertreter der PSOE verwiesen in ihrer Erwiderung auf parlamentarische Gepflogenheiten und die Möglichkeit, ehrverletzende Formulierungen aus dem Protokoll zu tilgen, und ersuchten das Präsidium um entsprechende Maßnahmen.
Ob die beanstandete Formulierung aus dem Diario de Sesiones gestrichen wird, liegt beim Präsidium der Cortes de Castilla y León. In spanischen Parlamenten sind Rügen wegen persönlicher Verunglimpfungen wiederholt Gegenstand formaler Auseinandersetzungen; die Entscheidung über eine Streichung orientiert sich an der Geschäftsordnung und gegebenenfalls an rechtlichen Vorgaben. Bis zum Abschluss der Sitzung blieb offen, ob das Protokoll geändert wird oder die Passage bestehen bleibt. Ebenfalls unklar war, ob die PSOE darüber hinaus rechtliche Schritte prüft.
Der inhaltliche Anlass der Debatte – die Forderung nach schnellerem Netzausbau – rückte durch den Schlagabtausch in den Hintergrund. PP und Vox dringen auf eine Beschleunigung der Breitbandversorgung in dünn besiedelten Gebieten von Castilla y León, um wirtschaftliche Nachteile ländlicher Räume zu verringern. Die Zentralregierung verweist in vergleichbaren Debatten regelmäßig auf laufende Programme zur Förderung von Glasfaser- und 5G-Anschlüssen, Zahlen zur Umsetzung in der autonomen Gemeinschaft wurden im Plenum jedoch kontrovers bewertet.
Die Wortwahl Hierros markiert eine erneute Eskalation des Tons im Verhältnis zwischen Vox und der PSOE. Während Vox die Angriffe als politische Kritik einordnet, bewertet die Opposition die Äußerung als persönliche Diffamierung des Regierungschefs. Wie die Cortes de Castilla y León mit dem konkreten Fall umgehen, dürfte für den künftigen Umgang mit Grenzüberschreitungen im Plenum Signalwirkung haben.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).