Gesellschaft

Universitat de València: Scheidungsversicherungen sind unter strengen Auflagen machbar

Eine neue Studie aus València sieht kurzfristige Policen zur Deckung unmittelbarer Scheidungskosten als rechtlich und technisch möglich – als Hilfe, nicht als Anreiz zum Trennen.

Ein Forschungsteam der Universitat de València hat am 23. September 2026 eine Studie vorgelegt, die die technische, rechtliche und soziale Machbarkeit von Versicherungen zur Abfederung unmittelbarer Scheidungskosten prüft. Zentrales Ergebnis: Kurzfristige Deckungen, die rasch Liquidität für Anwaltskosten, Umzug oder befristete Unterbringung bereitstellen, können unter engen Bedingungen gestaltet werden. Die Autoren betonen, die Leistung dürfe als Hilfe wirken, nicht als „Prämie“ für die Trennung.

Die Untersuchung erschien in der Fachzeitschrift Humanities and Social Sciences Communications. Sie wurde von Juan Bataller-Grau, Professor für Handelsrecht und Direktor des Institut Patrimonium, und Carlos Vidal-Meliá, Professor für Finanz- und Aktuarwissenschaften an der Universitat de València, geleitet. Das Team analysiert, welche Vertragsarchitektur technische Machbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz verbindet.

Rechtlich, so die Analyse, ließe sich eine solche Police im Rahmen des spanischen Versicherungsrechts als Kombination aus Personenversicherung und Summenversicherung konzipieren. Voraussetzung wären transparente Bedingungen mit klar definierten Auslösern, angemessenen Wartezeiten, präzisen Ausschlüssen und Prüfmechanismen, damit Leistungen nur bei nachweisbarem, unmittelbarem Liquiditätsbedarf gewährt werden.

Versicherungstechnisch sehen die Forscher die größten Chancen bei zeitlich befristeten, zielgenauen Deckungen mit klaren Leistungsobergrenzen. Risiko- und Moral-Hazard-Kontrollen – etwa Karenzzeiten, Melde- und Dokumentationspflichten – gelten als unerlässlich, um Fehlanreize zu vermeiden. Rückkaufswerte, stillschweigende Erneuerungen oder weite Leistungskataloge würden die Kalkulierbarkeit erschweren.

Sozial ordnet die Studie das Instrument als Ergänzung, nicht als Ersatz öffentlicher Unterstützung ein. Besonders profitieren könnten Haushalte mit geringem Einkommen und Alleinerziehende, die in der Trennungsphase kurzfristig mit erheblichen Zusatzkosten konfrontiert sind. Gleichzeitig warnen die Autoren vor einer Übertragung struktureller Risiken in den Privatsektor; familien- und sozialpolitische Maßnahmen blieben notwendig.

Die Autoren verweisen auf seltene internationale Praxisbeispiele, die bislang kaum Marktdurchdringung erreicht haben. Für einen möglichen Markteintritt in Spanien nennt die Studie Anforderungen an Produktaufsicht und Vertrieb: verständliche Informationen, strenge Geeignetheitsprüfungen, Beschwerde- und Kontrollwege sowie eine klare Abgrenzung zu Assistance-Diensten. Ob und in welcher Form der Versicherungssektor entsprechende Produkte anbietet, hängt nach Einschätzung der Forscher von regulatorischen Leitplanken und der Bewertung der Aufsicht ab.

Mit ihrer interdisziplinären Prüfung liefert die Publikation aus València eine aktuelle Grundlage für die sachliche Debatte über neue private Absicherungen in einer verletzlichen Lebensphase. Der politische Prozess wird klären müssen, ob kurzfristige Scheidungsdeckungen in Spanien eingeführt werden – und welche Schutzstandards dabei gelten.

Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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