In Spanien verschärfen sich die Lieferengpässe bei Medikamenten zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Die Agencia Española de Medicamentos y Productos Sanitarios (AEMPS) bestätigt seit Monaten Störungen in der Versorgung mehrerer Präparate, die in der Hormonersatztherapie eingesetzt werden. In dieser Woche berichteten spanische Medien über eine Zunahme der Knappheit, die dazu führt, dass zahlreiche Patientinnen ihre Behandlung umstellen oder vorübergehend unterbrechen müssen.
Besonders betroffen ist das Estradiol-Spray Lenzetto, dessen Verfügbarkeit wiederholt als eingeschränkt gemeldet wurde. Auch transdermale Pflaster wie Estradot und Evopad sowie kombinierte Kapseln wie Bijuva sind regional zeitweise schwer zu bekommen. Nach Darstellung von Apothekerinnen und Ärzten setzt die verstärkte Nachfrage nach Ausweichpräparaten wiederum weitere Darreichungsformen unter Druck.
Die AEMPS nennt als Gründe vor allem Produktions- und Lieferkettenprobleme, die je nach Wirkstoff und Hersteller unterschiedlich ausfallen. Konkrete Termine für eine flächendeckende Normalisierung seien vom Fortgang technischer Lösungen bei den Unternehmen abhängig, heißt es. Die Behörde betont zugleich, dass nicht alle Produkte gleichermaßen betroffen sind und dass Ärztinnen und Ärzte auf verfügbare Alternativen ausweichen können.
Für viele Betroffene ist die Therapie kein Komfortthema, sondern medizinisch notwendig. Sie lindert Hitzewallungen, Schlafstörungen und weitere Beschwerden der Perimenopause. Nach Angaben der Gynäkologin Mercedes Herrero von der Praxis Gine4 nutzen in Spanien inzwischen mehrere Hunderttausend Frauen Hormonersatztherapien; die Nachfrage sei gestiegen. Patientinnen berichten, dass kurzfristige Arzttermine fehlen und der Wechsel auf ein anderes Präparat Verunsicherung auslöst. Dies könne dazu führen, dass Behandlungen unterbrochen werden, was Symptome verstärke.
Fachleute empfehlen, die Therapie nicht eigenmächtig abzusetzen, sondern in Abstimmung mit der behandelnden Praxis auf verfügbare Alternativen zu wechseln. Je nach individueller Situation kommen transdermale Pflaster, Gele oder Tabletten in Betracht. Für Frauen mit besonderen Indikationen, etwa nach Ovarialoperationen, sowie für trans Frauen, die unter ärztlicher Aufsicht Östrogene nutzen, können Engpässe besonders belastend sein.
Gesundheitsökonomisch warnen Beobachter vor wiederkehrenden Knappheiten bei essenziellen Arzneien. Gefordert werden transparentere Meldungen zu Verfügbarkeiten, klare Priorisierungsregeln in Mangellagen und ein besserer Informationsfluss zwischen AEMPS, Praxen und Apotheken. Die Berichte dieser Woche machen deutlich, dass punktuelle Störungen rasch systemische Folgen haben können – mit unmittelbaren Auswirkungen auf den Versorgungsalltag in Spanien. elDiario.es hatte zuerst ausführlich über die Situation und die betroffenen Präparate berichtet.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).