Der Premio Nacional de Poesía 2026 ist am 15. September an den mallorquinischen Autor Sebastià Alzamora verliehen worden. Das spanische Kulturministerium zeichnete ihn für das 2025 in katalanischer Sprache erschienene Buch Sala Augusta seguit de Llengua materna (Proa) aus. Der nationale Preis ist mit 30.000 Euro dotiert; laut der offiziellen Bekanntmachung wird die Vergabe durch das Ministerio de Cultura veranlasst und im Boletín Oficial del Estado veröffentlicht.
Laut Jurybegründung trägt das Buch einen doppelten Ton. Der erste Teil, Sala Augusta, rekonstruiert in einem langen, freien Vers die Erinnerung an Gewaltereignisse der Spanischen Republik und des Bürgerkriegs anhand eines Kinos im Zentrum von Palma, das während des Krieges als Haftort diente. Der zweite Teil, Llengua materna, wendet sich in einem intimeren, melancholischen Ton der Figur der Mutter und der alltäglichen Erfahrung zu. Die Jury hob die formale Spannweite und die Dringlichkeit der literarischen Erinnerung hervor.
Der Premio Nacional de Poesía gehört zu den nationalen Literaturpreisen, die das Ministerium jährlich vergibt. Die Regularien sehen vor, dass Werke in allen amtlichen Sprachen Spaniens berücksichtigt werden. Über die Auszeichnung entscheidet ein vom Ministerium berufener Fachausschuss; die Bekanntgabe erfolgt durch das Ministerio de Cultura. Die Abwicklung des Verfahrens ist in der staatlichen Onlineplattform der Kulturverwaltung und im BOE dokumentiert. Die Vergabe an ein in katalanischer Sprache verfasstes Werk unterstreicht den mehrsprachigen Anspruch der staatlichen Literaturpreise und spiegelt die Gleichbehandlung der ko-offiziellen Sprachen im Literaturbetrieb wider.
Sebastià Alzamora, Jahrgang 1972 und in Llucmajor geboren, hat sich mit Lyrik und Prosa einen Namen gemacht. Zahlreiche seiner Texte sind in katalanischer Sprache erschienen und ins Spanische sowie in weitere Sprachen übersetzt worden. Das prämierte Buch wurde im laufenden Jahr bereits mit literarischen Auszeichnungen bedacht, darunter der Premi de la Crítica de poesia catalana und der Cavall Verd. Die nationale Ehrung setzt diesen Lauf fort und verlagert die Resonanz eines zunächst regional verankerten Erinnerungsstoffs in den gesamtspanischen Kontext.
Bemerkenswert ist zudem der Besetzungseffekt der aktuellen Runde: Erstmals seit acht Jahren ging der Preis wieder an einen Mann. Inhaltlich verweist die Entscheidung auf eine anhaltende literarische Auseinandersetzung mit historischer Erinnerung, ohne darüber hinausgehende politische Deutungen zu übernehmen. Damit setzt der Preis in diesem Jahr einen Akzent sowohl bei der formalen Ambition als auch bei der thematischen Reichweite der ausgezeichneten Lyrik.
Redakteurin: Celestina Fuentes (Artikel mit KI-Unterstützung).