Premierminister Pedro Sánchez hat die Verantwortung für die weiterhin auf Ceutas Straßen anzutreffenden unbegleiteten Minderjährigen dem Stadtpräsidenten Juan Jesús Vivas zugeschrieben. Auf die Frage eines Reporters nach der Lage der Kinder sagte er am Mittwoch im Congreso de los Diputados: "Fragen Sie das Vivas." Der Schlagabtausch folgte auf eine kontroverse Fragestunde, in der die Opposition der Regierung mangelnde Steuerung der Migrationslage in der nordafrikanischen Exklave vorwarf.
Tags zuvor hatte Ángel Víctor Torres, Minister für Politik und territoriale Angelegenheiten und als Leiter des "mando único" für die übergeordnete Koordination zuständig, gewarnt, die Krise werde anhalten, solange Migranten – darunter viele Minderjährige – im öffentlichen Raum blieben. Er bat die Stadtverwaltung um engere Zusammenarbeit, um Registrierung und Unterbringung zu beschleunigen. Medien zitierten Regierungsangaben, wonach sich noch mehrere Hundert Kinder außerhalb von Einrichtungen aufhalten.
Sánchez und der Vorsitzende der Partido Popular, Alberto Núñez Feijóo, gerieten im Plenum heftig aneinander. Feijóo kritisierte, dass auch Wochen nach den massenhaften Einreisen weiterhin Menschen im Stadtbild präsent seien, und verlangte Auskunft über Gespräche mit Marokko. Er unterstellte der Regierung, die Krise zu verfestigen, oder ihr nicht gewachsen zu sein. Sánchez wies die Vorwürfe zurück und verwies auf die Zuständigkeiten der Autonomiestadt im Kinderschutz sowie auf bereits beschlossene Unterstützungsmaßnahmen des Staates.
Zum 1. September hat die Regierung per Real Decreto-ley 22/2026 ein Maßnahmenpaket zur Entlastung Ceutas verabschiedet. Der Text ist im Boletín Oficial del Estado veröffentlicht und sieht unter anderem zusätzliche Kapazitäten für Unterbringung, Budgethilfen und eine engere Koordination zwischen staatlichen und lokalen Diensten vor. Die Umsetzung hängt in der Praxis von verfügbaren Plätzen, Personal und der Mitwirkung der Stadt ab.
Fakten, Zuschreibungen und offene Punkte trennen sich derzeit deutlich: Gesichert ist, dass Madrid den Koordinierungsrahmen ausgeweitet und finanzielle Hilfen beschlossen hat. Zugleich macht die Zentralregierung die Stadtverwaltung für die schnelle Erfassung und Versorgung Minderjähriger mitverantwortlich. Die PP wiederum fordert beschleunigte Verfahren und eine rasche Überstellung nach Marokko, was rechtlich und praktisch von bilateraler Abstimmung abhängt. Konkrete Fristen nannte die Regierung nicht. Fest steht, dass die Lage lokale Dienste weiterhin stark belastet und der politische Streit über Zuständigkeiten die Lösung erschwert.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).