Renfe hat die technischen Kontrollen an den Drehgestellen der Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Talgo Avril (Serie 106) deutlich ausgeweitet und zwei Einheiten vorsorglich abgestellt. Das bestätigte der Betreiber in der vergangenen Woche im Zuge interner Abstimmungen und Gesprächen mit der Lokführergewerkschaft. Ziel ist es, mögliche Rissbildungen frühzeitig zu erkennen und Sicherheitsmargen zu erhöhen. Der laufende Verkehr, einschließlich des günstigen Avlo-Angebots auf der Verbindung Madrid–Valencia, bleibt nach Angaben des Unternehmens bislang ohne Einschränkungen.
Die Maßnahmen umfassen häufigere zerstörungsfreie Prüfungen an den betroffenen Baugruppen sowie zusätzliche Mess- und Überwachungsverfahren im Betrieb. Renfe betont, dass das Vorgehen mit der spanischen Aufsichtsbehörde Agencia Estatal de Seguridad Ferroviaria (AESF) abgestimmt sei. Die Inspektionsdichte wurde zuletzt weiter erhöht, um bereits Vorstufen von Materialermüdung zu erfassen und Komponenten rechtzeitig auszuwechseln.
Hintergrund ist eine Serie von Befunden an einzelnen Drehgestellen der Avril-Flotte, die Renfe seit 2025 mit einem verschärften Prüfprogramm begleitet. Bereits im vergangenen Jahr kam es wegen festgestellter Risse zu einer zeitweisen Aussetzung des Avlo-Dienstes auf der Strecke Madrid–Barcelona. Nach Recherchen spanischer Medien sind im Zuge der Präventionsstrategie inzwischen bis zu 19 Drehgestelle ersetzt worden; Renfe hat darüber hinaus zwei Züge außer Betrieb genommen und schließt weitere vorsorgliche Abstellungen bei neuen Befunden nicht aus.
Renfe fordert vom Hersteller Talgo eine umfassende Ursachenanalyse sowie die zügige Bereitstellung von Ersatzteilen, um die Verfügbarkeit der Flotte zu sichern. Talgo verweist auf laufende Prüfstandtests und Materialuntersuchungen, die den Entstehungsmechanismus der Risse eindeutig klären sollen. Branchenbeobachter warnen, dass es bei anhaltendem Austauschbedarf kurzfristig zu Engpässen bei bestimmten Komponenten kommen könnte. Renfe erklärt hingegen, dass Züge erst nach bestandenen Prüfungen in den Verkehr zurückkehren und dass die Sicherheit oberste Priorität habe.
Welche Folgen die Maßnahmen für das Angebot haben, hängt nach Unternehmensangaben von den weiteren Prüfergebnissen und den Vorgaben der Aufsicht ab. Sollte die Zahl abzustellender Einheiten steigen oder die Ersatzteillage sich verschärfen, wären Anpassungen im Fahrplan – insbesondere beim Avlo Madrid–Valencia – möglich. Konkrete Kürzungen sind derzeit nicht beschlossen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).