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Polizei und Guardia Civil widersprechen sich vor Gericht zum Ceuta-Einsatz

Vor der Audiencia Nacional haben am 26. Oktober 2026 Einsatzleiter von Guardia Civil und Policía Nacional widersprüchliche Entscheidungen während der massenhaften Einreise nach Ceuta am 30. und 31. Juli 2026 geschildert.

Madrid, 26. Oktober 2026 — Vor der Audiencia Nacional haben ranghohe Einsatzkräfte der Guardia Civil und der Policía Nacional abweichende Versionen zu Entscheidungen beim Ceuta-Einsatz vom 30. und 31. Juli 2026 abgegeben. Nach ihren Aussagen stand im Mittelpunkt der Konflikt, ob eine Passage an der Grenzanlage bei El Tarajal zeitweise zu schließen gewesen wäre. Ein Vertreter der Policía Nacional plädierte demnach für das Schließen, während der diensthabende Kommandeur der Guardia Civil die Öffnung beibehielt, um einen „Tapón“, also eine lebensgefährliche Staubildung mit Erdrückungs- oder Erstickungsgefahr, zu verhindern. Die Aussagen wurden am 26. Oktober vor Richterin María Tardón protokolliert.

Beide Seiten verwiesen auf knappe Kräfte und Ausrüstung. Laut Darstellung der Policía Nacional standen in der kritischen Phase nur etwa 20 bis 25 Beamtinnen und Beamte bereit; die Guardia Civil sprach ebenfalls von einer kleinen zweistelligen Einsatzstärke. Formelle Koordinierungsprotokolle seien vor Ort nicht wirksam zur Anwendung gekommen, weshalb Entscheidungen ad hoc getroffen wurden. Unklar blieb, in welchem Umfang die Delegación del Gobierno in Ceuta oder das Ministerio del Interior unmittelbar operative Anweisungen erteilten. Diese Frage gehört zu den zentralen Prüfkomplexen der laufenden Ermittlungen.

Ein weiterer Punkt betraf Beobachtungen in der Nacht vor dem 30. Juli. Der verantwortliche Kommandeur der Guardia Civil erklärte, er habe mehrere marokkanische Boote in Küstennähe gesichtet. Ermittlerinnen und Ermittler prüfen, ob diese Sichtungen im Zusammenhang mit der koordinierten Einreise stehen könnten. Eine strafrechtliche Bewertung dieser Aspekte liegt noch nicht vor.

Die Anhörung ist Teil eines umfassenderen Verfahrens, das die Befehls- und Informationswege während des Einsatzes sowie das Zusammenspiel zwischen Guardia Civil und Policía Nacional untersucht. Die Richterin forderte zusätzliche Unterlagen und Bildmaterialien an, darunter Aufzeichnungen stationärer Kameras, Drohnen und Grenzüberwachungssysteme. Ziel ist, die Entscheidungsabläufe am 30. Juli 2026 transparent zu rekonstruieren und Verantwortlichkeiten zu klären.

Politische Bewertungen blieben in der Sitzung nachrangig; im Vordergrund standen operative Details, die Auslastung der Kräfte und die Sicherheitsabwägungen an der Grenze. Weitere Zeuginnen- und Zeugenaussagen sowie die Sichtung der angeforderten Belege dürften entscheiden, ob der Verdacht auf Pflichtverstöße erhärtet wird oder ob die Lageeinschätzungen vor Ort unter dem Druck der Ereignisse plausibel waren. Bis zum Abschluss der Beweisaufnahme gilt die Unschuldsvermutung.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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