Der spanische Minister für digitale Transformation und öffentlichen Dienst, Óscar López, hat am 3. November 2026 in Madrid das Foro Digital Iberoamericano eröffnet. In seiner Rede in der Fábrica Nacional de Moneda y Timbre warb er dafür, dass die iberoamerikanischen Länder eine „dritte vía digital humanista, multilateral, sostenible y confiable“ anführen – als eigenständige Ausrichtung jenseits der dominierenden Modelle aus den Vereinigten Staaten und China. Nach Regierungsangaben nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus 22 Staaten sowie internationale Organisationen, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft teil.
López erklärte, Iberoamerika könne „die digitale Kluft zwischen Nord und Globalem Süden schließen“, wenn die Region ihre gemeinsamen Stärken in Sprache, Marktgröße und Regulierung bündele. Er verwies auf bereits vereinbarte Grundlagen: die Agenda Digital Iberoamericana, die 2021 unter andorranischem Vorsitz vorangetrieben wurde, sowie die 2023 in Santo Domingo angenommene Carta Iberoamericana de Principios y Derechos en los Entornos Digitales. Als nächster Schritt kündigte er eine Declaración de Madrid und die Gründung einer Alianza Iberoamericana de Inteligencia Artificial an, die eine „souveräne, ethische und verlässliche“ Entwicklung von Künstlicher Intelligenz fördern sollen.
Nach Angaben der Veranstalter standen beim Forum die Rechte digitaler Nutzerinnen und Nutzer, Konnektivität, Cybersicherheit, die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz im Mittelpunkt. Der Generalsekretär der Secretaría General Iberoamericana betonte dem Vernehmen nach, die Region dürfe nicht lediglich Technologien importieren, sondern müsse eigene Systeme mit regional verankerten Datenbeständen und in den Sprachen Spanisch und Portugiesisch aufbauen.
Das Treffen bündelt bestehende nationale und regionale Vorhaben und zielt auf eine politisch kohärente iberoamerikanische Position in der globalen Digitalpolitik. Es kann Anreize für gemeinsame Infrastrukturprojekte, Standards und Forschungsvorhaben setzen. Offen bleiben jedoch Finanzierung und Koordination – insbesondere die Verzahnung mit europäischen Rechtsrahmen und multilateralen Initiativen sowie die praktische Umsetzung grenzüberschreitender Daten- und Netzinfrastrukturen. Konkrete rechtliche oder finanzielle Ergebnisse lassen sich am Tag der Eröffnung nicht belastbar beziffern und hängen von den anschließenden ministeriellen Verhandlungen ab.
Der formale Rahmen des Forums ist Teil der Vorbereitung auf die nächste Cumbre Iberoamericana. Madrid nutzt damit die Rolle als Gastgeber, um Debatten über eine wertebasierte, wirtschaftlich tragfähige und technologisch belastbare Digitalstrategie Iberoamerikas zu strukturieren.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).