Die Regierung von Navarra verhandelt über den Rückkauf von rund 600 Mietwohnungen, die ihre Einstufung als VPO (geschützte Sozialwohnungen) verloren haben und in den Besitz großer Investmentgesellschaften übergingen. Die für Wohnen zuständige Ressortchefin Begoña Alfaro bestätigte am 30. September, dass Gespräche mit mehreren Eigentümern laufen, darunter mit Testa, einer Gesellschaft aus dem Umfeld von Blackstone. Ziel sei es, einen Weiterverkauf an Dritte zu verhindern und Mieterhaushalte abzusichern, deren Verträge nach Eigentümerwechseln unter Druck geraten könnten.
Für den möglichen Ankauf sieht der Entwurf der Haushalte 2027 eine Sonderlinie von 22 Millionen Euro vor. Zusätzlich soll ein Teil des Überschusses des vergangenen Jahres genutzt werden; dessen Höhe nannte die Regierung noch nicht. Alfaro sprach von einer politisch unbequemen, aber aus ihrer Sicht notwendigen Lösung: Es sei misslich, faktisch zweimal für dieselben, einst öffentlich geförderten Wohnungen zu zahlen, ausschlaggebend seien jedoch die sozialen Folgen für die betroffenen Familien.
Hintergrund der Initiative ist eine Lücke früherer Regelungen: Bestände, die vor Jahren mit öffentlicher Finanzierung errichtet wurden, konnten nach Ablauf der Schutzfristen in den freien Markt übergehen. Inzwischen gilt in Navarra auch für VPO zur Miete ein dauerhafter Schutz, doch etliche Bestände hatten diesen Status zuvor bereits verloren. Nach Regierungsangaben signalisiert Testa Verkaufsbereitschaft, weil die Renditeerwartungen in Navarra gesunken seien. Als Gründe werden die Einstufung bestimmter Kommunen als „zonas tensionadas“ und die damit verbundenen Mietpreisbremsen genannt.
Die Gespräche betreffen Preise, Umfänge und einen Zeitplan. Rechtlich-finanzielle Details stehen noch aus; Vertragsentwürfe liegen öffentlich nicht vor. Klar ist: Ein Rückkauf würde kurzfristig Haushaltsmittel binden, könnte aber den öffentlichen oder öffentlich gebundenen Wohnungsbestand sichern und Mieterrechte stabilisieren. Ob und in welchem Umfang sich der Erwerb rechnet, hängt von den erreichten Kaufpreisen sowie den künftigen Belegungs- und Mietkonditionen ab.
Politisch ist das Thema im regionalen Kontext aufgeladen. Das Wohnungsressort ist die einzige Abteilung der Regierung, die von Contigo/Zurekin geführt wird. Die Koalition hatte versprochen, den Verlust von Sozialwohnungen zu stoppen und Bestände zu rekommunalisieren, wo dies wirtschaftlich vertretbar sei. Oppositionsstimmen hatten in früheren Debatten vor „teuren Rückkäufen“ gewarnt und stattdessen auf strengere Regulierungen und Neubau gesetzt. Die Regierung verweist darauf, dass beides parallel verfolgt werde: die dauerhafte Requalifizierung von Beständen und ein Ausbau sozial gebundenen Neubaus in Navarra.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).