In Son Brau bei Manacor haben am Sonntag, 25. Oktober 2026, nach übereinstimmenden Medienberichten rund 70 bis 100 Menschen eine Menschenkette gebildet. Sie forderten den Stopp einer geplanten Geflügelfarm, die nach Angaben der Organisatoren bis zu 80.000 Hennen fassen soll. Getragen wurde die Aktion von der Plattform Macrogranjas No sowie Anwohnerinitiativen.
Der Protest folgt einer Serie von Schritten der Kritiker in derselben Woche. Die Tierschutzorganisationen ARDE und Satya Animal übergaben am 23. Oktober 2026 nach eigenen Angaben 50.000 Unterschriften an die Präsidentschaft der Regierung der Balearen. Zuvor hatten die Verbände am 19. und 20. Oktober Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. In den Eingaben dokumentieren sie nach eigener Darstellung kranke und tote Tiere sowie Hygienemängel in Betrieben, die der Betreibergruppe zugerechnet werden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Anzeigen und prüft nun, ob die Vorwürfe einen Anfangsverdacht für Ermittlungen begründen.
Adressat der Kritik ist das Unternehmen Avícola Son Perot, das hinter Projekten in der Region stehen soll. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. In Stellungnahmen heißt es, die veröffentlichten Aufnahmen seien nicht eindeutig den eigenen Anlagen zuzuordnen; man sehe sich einer gezielten Kampagne ausgesetzt. Unabhängige Bestätigungen für die behaupteten Missstände liegen bislang nicht vor.
Die Conselleria de Agricultura, Pesca y Medio Natural der Balearen hat nach Behördenangaben Hinweise und Beschwerden entgegengenommen. Sie verweist darauf, dass Genehmigungen für neue Tierhaltungsanlagen an Umweltauflagen, Wasser- und Bodenschutz sowie die Eignung landwirtschaftlicher Flächen gebunden sind. In der Vergangenheit gab es laut regionalen Medien bereits Inspektionen in einschlägigen Betrieben. Ob aus den jüngsten Anzeigen Sanktionen oder Auflagen folgen, ist offen und hängt von der Auswertung der Unterlagen durch die Conselleria und von möglichen Entscheidungen der Justiz ab.
Vertreter der Anwohner berichten von Befürchtungen hinsichtlich Geruch, Staub, möglicher Nitratbelastung und zusätzlichem Lkw-Verkehr. Sie verweisen auf bei der Verwaltung eingereichte technische Stellungnahmen. Befürworter industrieller Tierhaltung argumentieren demgegenüber, moderne Anlagen ließen sich mit Emissionsminderungen und strengen Kontrollen betreiben. Eine öffentliche Abwägung im laufenden Verfahren steht noch aus.
Der Konflikt um Son Brau verdeutlicht die landesweite Debatte über größere Tierhaltungsanlagen in Spanien: Zwischen wirtschaftlichen Interessen, Tierschutz und Umweltauflagen entscheiden in der Praxis Verwaltungsverfahren – auf den Balearen federführend die Conselleria de Agricultura, Pesca y Medio Natural – sowie gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft und Gerichte.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).