In der autonomen Stadt Ceuta bleibt die Lage nach den massenhaften Grenzübertritten Ende Juli 2026 angespannt. Über die Größenordnung gehen die Angaben auseinander: Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte, am 30. Juli seien rund 72.000 Menschen nach Spanien gelangt, von denen etwa 70.000 nach Marokko zurückgekehrt seien. Der Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, sprach später von bis zu 80.000 Personen, die illegal eingereist seien. Diese Zahl liegt näher an Einschätzungen der Stadtverwaltung von Ceuta, die Anfang der Woche davon ausging, dass sich noch zwischen 8.000 und 11.000 Menschen in der Stadt aufhalten. Alle genannten Angaben beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem 30. Juli und rund zwei Wochen danach.
Vor Ort berichten Behörden und Verbände von überlasteten Notunterkünften und kommunalen Diensten. Nachbarschaftsvereine bezeichnen einzelne Viertel als „unbewohnbar“. Die Zentralregierung hebt hervor, dass die große Mehrheit der Eingereisten binnen 48 Stunden zurückgeführt worden sei. Die Differenzen bei den Zahlen nähren politische Auseinandersetzungen: Die Volkspartei (PP) hat die Minister Fernando Grande-Marlaska (Inneres), Margarita Robles (Verteidigung) und José Manuel Albares (Außen) in den Senat geladen, um zur Lage in Ceuta Stellung zu nehmen. Marlaska betonte zudem, es habe im Vorfeld keinen Hinweis des spanischen Geheimdienstes CNI auf einen massiven Grenzübertritt gegeben.
Rechtlich-humanitäre Fragen stehen ebenfalls im Fokus. Nach einem Bericht von El País hat die Staatsanwaltschaft bislang keine formelle Untersuchung zu mutmaßlichen Rückführungen von Minderjährigen eingeleitet. Hilfsorganisationen und lokale Akteure kritisieren Unklarheiten bei Registrierung und Versorgung besonders schutzbedürftiger Personen.
Die Regierung in Madrid verweist auf verstärkte Grenzschutzmaßnahmen und die enge Zusammenarbeit mit Marokko sowie mit EU-Agenturen wie Frontex. Gleichzeitig wird in Medien und durch lokale Behörden vor einem möglichen erneuten Andrang um den 15. August gewarnt; Ceuta bereitet sich demnach organisatorisch auf weitere Belastungen vor. Ungeachtet einzelner Rückführungsbilanzen bleiben die veröffentlichten Gesamtzahlen je nach Quelle unterschiedlich. Sicher ist: Die öffentlichen Dienste der Stadt arbeiten an der Kapazitätsgrenze, während die politischen Institutionen auf regionaler und nationaler Ebene die Bewältigung der Situation beraten.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).