Sumar und Podemos erhöhen nach der Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen in Madrid den Druck auf Pedro Sánchez: Beide Parteien verlangen, das seit Juli angekündigte Wohnungs-Dekret mit Räumungsschutz umgehend im Ministerrat zu verabschieden. Der aktuelle Anlass sind die Bilder vom 23. September 2026, als eine Gerichtsvollzieherin mit Polizeibegleitung die Wohnung der Seniorin in der Calle Alcalde Sáinz de Baranda im Madrider Stadtteil Retiro räumen ließ. Unterstützerinnen und Nachbarn versuchten die Vollstreckung zu verhindern; Maricarmen wurde schließlich medizinisch betreut.
Vertreter von Sumar und Podemos erklärten, ein rechtzeitig verabschiedeter Erlass mit Antiräumungs-Regeln hätte den Fall zumindest erschwert oder verhindert. Kulturminister Ernest Urtasun und Sozialminister Pablo Bustinduy sprachen von einer politischen Priorität und forderten, das Dekret ohne weitere Verzögerung auf die Tagesordnung zu setzen. Aus Reihen von Sumar kam zudem die Forderung, eine mögliche Enteignung der betroffenen Wohnung zu prüfen, um der 87-Jährigen ein Verbleiben zu sichern. Die Sozialistische Partei, die das Wohnungsministerium führt, steht nun im Zentrum der Debatte über Zeitpunkt und Inhalt des Entwurfs.
Zum Hintergrund des Falls verweisen Medien auf einen langjährigen Mietvertrag aus den 1950er Jahren, in Spanien als „renta antigua“ bezeichnet. Nach Eigentümerwechseln ging die Immobilie an einen Investmentfonds über. Berichten zufolge kam es zu deutlichen Mieterhöhungen, gerichtlichen Auseinandersetzungen und schließlich zur angesetzten Vollstreckung am 23. September. Mehrere lokale Vermittlungsversuche und Hilfsangebote blieben ohne Ergebnis. Offizielle Angaben zur künftigen Unterbringung der Seniorin lagen zunächst nicht vor.
Politisch entzündet sich der Streit auch an einer im Sommer gescheiterten Verlängerung von Schutzklauseln für vulnerable Haushalte. Sumar und Podemos machen dafür die rechte Opposition sowie weitere Parlamentskräfte verantwortlich; die Gegenseite verweist auf rechtliche Grenzen und fordert Planungssicherheit für Eigentümer. Unabhängig von der parteipolitischen Auseinandersetzung steht die Regierung unter Druck, rasch Klarheit zu schaffen: Welche Kriterien für Aufschübe, Ersatzwohnungen oder besondere Härtefälle gelten sollen, ist bislang offen.
Welche konkreten Bestimmungen das Dekret enthalten wird, ist noch nicht veröffentlicht. Erwartet werden befristete Stopp-Regeln für Räumungen besonders schutzwürdiger Personen, verbesserte Mediation vor Vollstreckungsterminen und Vorgaben für Ersatzunterkünfte. Ob und wie rasch sich dafür eine Mehrheit im Parlament findet, ist unklar. Fest steht: Der Fall Maricarmen hat die wohnungspolitische Agenda in Madrid an diesem Tag bestimmt.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).