Kurzmeldung
Die Generalitat de Catalunya hat nach Darstellung ihres Departament de Drets Socials bestätigt, dass im Juni 2026 insgesamt 545 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre mit einem positiven Vorschlag für eine Unterbringung in Pflegefamilien weiter in stationären Einrichtungen verblieben. Nach Angaben der Verwaltung ergibt sich daraus ein Bedarf von rund 400 zusätzlichen aufnahmebereiten Familien, um diese Minderjährigen ins Familiensystem zu überführen.
Besonders betroffen sind sehr junge Kinder: In den Heimen lebten demnach 184 Kinder unter sechs Jahren. Fachleute und Verbände betonen, dass frühe Unterbringung in einer Pflegefamilie für Bindungsentwicklung, schulische Integration und psychische Gesundheit entscheidend sein kann. Die Generalitat nennt deshalb als vorrangige Maßnahmen die Verstärkung von Aufklärungskampagnen, niedrigschwellige Erstberatungen für Interessierte, die Beschleunigung der Eignungsprüfungen und erweiterte Unterstützungsangebote für bereits tätige Pflegefamilien, etwa Fortbildungen und Supervision.
Vertreterinnen von Trägern wie der Asociación de Familias de Acogida de Barcelona (Afabar) schildern die praktischen Hürden: Informationsveranstaltungen erzeugten oft Interesse, die verbindliche Aufnahmeprozedur werde jedoch nur selten begonnen. Inma Espín, Präsidentin von Afabar, nennt Unkenntnis über das Modell und die Verwechslung mit Adoption als wiederkehrende Probleme. Unterstützung, transparente Informationen über Rechte und Pflichten sowie verlässliche Begleitung durch Fachstellen gelten als Schlüsselfaktoren, um mehr Haushalte zur Mitwirkung zu bewegen.
Politische und fachliche Debatten in Katalonien heben das strukturelle Problem hervor: Ein anhaltender Mangel an Pflegeplätzen führt zu längeren Aufenthalten in stationären Einrichtungen, was nach Auffassung von Expertinnen negative Folgen für die psychosoziale Entwicklung haben kann. Ob die angekündigten Maßnahmen kurzfristig ausreichen, um die Lücke von rund 400 Familien zu schließen, ist offen. Klar ist hingegen, dass ohne zusätzliche, qualifizierte Aufnahmehaushalte die Zahl der tutelierten Minderjährigen mit positivem Vermittlungsvorschlag, die weiterhin in Heimen leben, nur schwer sinken wird.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).