Das Parlament de Catalunya hat am 19. Oktober in Barcelona als erste staatliche Institution Spaniens eine Kommission zur Aufarbeitung des Patronato de Protección a la Mujer eingesetzt. Zum Auftakt berichteten sechs Überlebende über Zwangsunterbringung, Kontrolle und Demütigungen in kirchlich geführten Heimen und forderten Anerkennung, Akteneinsicht und Entschädigung. Abgeordnete von Partido Popular, Vox und Aliança Catalana blieben der Sitzung fern.
Pilar Dasí Crespo, Isabel de la Cruz Gallego Soler, Mariona Roca Tort, Maria Forns Roca, Lucía Vicioso Vitoria und Montserrat Alegret Fenoll schilderten, wie sie als Jugendliche ohne wirksame Zustimmung in Einrichtungen der Adoratrices, Oblatas oder Cruzadas Evangélicas gelangten. Nach ihren Aussagen wurden sie strengen Moralkodizes unterworfen, mussten arbeiten und erhielten oft keinen Zugang zu persönlichen Unterlagen. Mehrere Zeuginnen kritisierten, einzelne Orden hätten bis heute Akten zurückgehalten oder Betroffenen erschwerten Zugang gewährt.
Die Kommission soll die Rolle staatlicher Behörden und die Zusammenarbeit religiöser Träger vom Franco-Regime bis in die frühe Demokratie untersuchen. Im Mittelpunkt steht das Patronato de Protección a la Mujer, das als Instrument zur Disziplinierung junger Frauen galt und in zahlreichen Städten wie Madrid, Barcelona, Badalona, València oder Logroño Heime mit kirchlichen Kongregationen verband. Ziel der Aufarbeitung ist es, Muster der Internierungspraxis, Verantwortlichkeiten und mögliche Rechtsverstöße zu dokumentieren.
Die Überlebenden verlangen drei zentrale Schritte: erstens vollständige Einsicht in persönliche und institutionelle Akten, zweitens die formale Anerkennung als Opfer von Repression mit klarer Benennung des erlittenen Unrechts, drittens materielle und symbolische Reparationsmaßnahmen. Diese Forderungen sind Aussagen der Betroffenen; über Umfang und Ausgestaltung entscheidet das Parlament nach Abschluss der Beweisaufnahme.
Politisch markierte der Auftakt eine Zäsur in der Erinnerungspolitik Kataloniens. Während Teile des Hauses Unterstützung signalisierten, blieben Vertreter von Partido Popular, Vox und Aliança Catalana dem Termin fern. Die Kommission plant weitere Anhörungen von Betroffenen, Expertinnen und Experten sowie Auskunftspersonen aus staatlichen und kirchlichen Institutionen. Welche Maßnahmen aus ihren Empfehlungen folgen, hängt von den Mehrheitsverhältnissen und der Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungen ab. Fest steht: Mit dem formellen Start der Untersuchung beginnt ein geordneter Prozess, in dem die Erfahrungen der Überlebenden erstmals im Rahmen einer offiziellen Institution systematisch erhoben und bewertet werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).