Bei der laufenden Universitat Catalana d’Estiu in Prada de Conflent haben Jordi Turull, Generalsekretär von Junts, und Oriol Junqueras, Präsident von ERC, am Mittwoch eine klare Abgrenzung gegenüber der rechtsextremen Unabhängigkeitspartei Aliança Catalana vollzogen. Turull sprach von einem „Kampf der Werte“ und erklärte, man könne „mit denen, die Hass predigen, nichts Gutes machen“. Junqueras unterstützte diese Linie und verurteilte in seiner Rede ebenfalls Hassbotschaften.
Die Wortmeldungen sind vor allem als Reaktion auf den jüngsten Auftrieb von Aliança Catalana zu verstehen. Nach übereinstimmenden Umfragen und Analysen legt die Partei von Sílvia Orriols in Katalonien zu, besonders in Gemeinden des Binnenlands. Obwohl Aliança Catalana im Parlament derzeit nur zwei Abgeordnete stellt, hat sie Debatten über Migration und Sicherheit nach rechts verschoben und damit die Agenda anderer Parteien beeinflusst, was in mehreren Beiträgen katalanischer Medien betont wird. Vor allem Junts sieht sich in traditionellen Hochburgen unter Druck, weil Aliança Catalana dort um vergleichbare Wählergruppen konkurriert.
Aus dem linken Lager mahnten die Els Comuns am selben Tag, Junts müsse „mit Taten“ belegen, dass es einen klaren Bruch mit Aliança Catalana gibt – etwa durch den Ausschluss kommunaler Vereinbarungen und durch unmissverständliche Positionspapiere gegen diskriminierende Vorstöße. Die Aufforderung zielt auf die Frage, ob die aktuellen Distanzierungen über symbolische Signale hinausgehen und sich auch in Regierungs- und Bündnispraxis niederschlagen.
Die Universitat Catalana d’Estiu in Prada de Conflent dient traditionell als Auftakt in das politische Jahr in Katalonien, das im September mit der Diada einen symbolischen Höhepunkt hat. Junqueras kündigte am Rande der Veranstaltung zudem an, nach fünf Jahren wieder an der großen Diada-Demonstration teilzunehmen – ein Schritt, der die innenpolitische Mobilisierung der Unabhängigkeitsbefürworter zusätzlich beleben dürfte.
Welche praktischen Folgen die scharfen Worte haben, bleibt offen. Beobachter erwarten, dass sich an der Schnittstelle von Migration, Sicherheit und kommunaler Ordnung in den kommenden Monaten entscheidet, ob die Abgrenzung von Junts und ERC zu einer tragfähigen Brandmauer wird. Für die kommunalen Wahlzyklen 2027 sowie mögliche Neuwahlen zum Parlament der Generalitat 2028 dürfte das Kräfteverhältnis im ländlichen Raum und in mittleren Städten entscheidend sein, wo Aliança Catalana zuletzt überdurchschnittlich zulegte.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).