Der britische Schriftsteller Julian Barnes hat am 21. Oktober 2026 in Oviedo den Premio Princesa de Asturias de las Letras entgegengenommen und anschließend vor Medienvertretern seine Skepsis über eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs zur Europäischen Union bekundet. „Ich fürchte, ich werde nicht mehr erleben, dass das Vereinigte Königreich wieder in Europa ist“, sagte der 1946 geborene Autor. Mit „Europa“ bezog sich Barnes auf die politische Union. Den Brexit nannte er ein „politisches, wirtschaftliches und moralisches Desaster“.
Die Äußerungen fielen im Rahmen der offiziellen Termine der Preiswoche in Oviedo, an deren Ende die Verleihungszeremonie traditionell im Teatro Campoamor stattfindet. Ausrichterin der Auszeichnungen ist die Fundación Princesa de Asturias. Der Literaturpreis ehrt seit 1981 Autorinnen und Autoren, deren Werk international Maßstäbe setzt. Barnes zählt mit Romanen wie „Flauberts Papagei“ und „Vom Ende einer Geschichte“ seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der englischsprachigen Gegenwartsliteratur.
Barnes’ Bewertung des Brexit ist eine persönliche politische Einschätzung. Sie steht nicht für offizielle Positionen des Vereinigten Königreichs oder der Europäischen Union. Ein möglicher erneuter EU‑Beitritt Londons wäre ein langwieriger politischer und rechtlicher Prozess, über den Regierungen und Parlamente in London und Brüssel entscheiden müssten. Aussagen über Zeitpunkt und Bedingungen bleiben daher spekulativ.
Die Preisrede und begleitende Auftritte von Preisträgerinnen und Preisträgern sind in Spanien regelmäßig ein Forum für kultur- und gesellschaftspolitische Stellungnahmen. Vor diesem Hintergrund ordneten spanische Medien Barnes’ Bemerkungen als Beitrag zur aktuellen europäischen Debatte ein. In Teilen Europas verzeichnen Umfragen und Wahlergebnisse seit Jahren Zugewinne für EU‑skeptische und illiberale Kräfte; zugleich belasten geopolitische Konflikte und Handelsstreitigkeiten das Verhältnis zwischen großen Mächten – Entwicklungen, die Barnes in Oviedo ebenfalls ansprach.
Der Premio Princesa de Asturias de las Letras gilt neben dem Cervantes‑Preis als eine der renommiertesten kulturellen Auszeichnungen in der spanischsprachigen Welt. Mit der Vergabe an Barnes würdigt die Jury ein Werk, das immer wieder Fragen nach Wahrheit, Erinnerung und moralischer Verantwortung stellt – Themen, die der Autor in Oviedo ausdrücklich mit der politischen Gegenwart verknüpfte.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).