Jon Iñarritu verzichtet bei den spanischen Neuwahlen am 29. November 2026 auf eine erneute Kandidatur für Euskal Herria Bildu. Der Abgeordnete aus Leioa bestätigte seine Entscheidung am 15. Oktober und kündigte damit das Ende einer politischen Laufbahn auf nationaler Ebene an, die ihn über gut anderthalb Jahrzehnte in den Cortes Generales präsent hielt.
Iñarritu zog Ende 2011 unter dem Banner von Amaiur erstmals in den Kongress ein, kurz nach dem Ende der bewaffneten Aktivitäten von ETA. Er gehört damit zu jener Generation, die den Kurswechsel der abertzalen Linken hin zur kontinuierlichen Parlamentsarbeit prägte. Zwischen 2011 und 2016 war er Abgeordneter, anschließend Senator, seit 2019 erneut Mitglied des Kongresses. Politisch stammt er aus Aralar, einer pazifistischen Abspaltung von Herri Batasuna, die später in die breitere Formation von Euskal Herria Bildu aufging. In Madrid profilierte er sich mit parlamentarischen Initiativen, scharfer Kritik an der Monarchie und wiederholten Verurteilungen der Gewalt von ETA.
Sein Rückzug fällt in eine Phase personeller Umbrüche bei Euskal Herria Bildu. Bereits zuvor hatten Mertxe Aizpurua und Bel Pozueta erklärt, für die anstehenden Listen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Zugleich signalisierte Oskar Matute Bereitschaft, erneut als Kandidat anzutreten. Nach Parteidarstellung dienen die Umbesetzungen der Erneuerung und einer ausgewogenen territorialen Vertretung. Die Vorschläge für die Kandidaturen in den vier baskischen Provinzen sollen Mitte Oktober intern beraten und anschließend von der Basis bestätigt werden.
Iñarritu war über Jahre eine der sichtbaren Stimmen von Euskal Herria Bildu im nationalen Parlament. Unterstützer heben seine konsequente Parlamentsarbeit und sein juristisches Profil hervor, Kritiker verweisen auf teils konfrontative Auftritte. Über die Motive des Verzichts äußerte er sich nur knapp; Hinweise auf eine strategische Entscheidung der Partei sowie persönliche Erwägungen liegen nahe, bleiben jedoch offiziell unbestätigt.
Welche Folgen die personelle Rotation für den Wahlausgang am 29. November hat, ist offen. Entscheidend dürften neben der endgültigen Aufstellung der Listen die Mobilisierung in den Wahlkreisen und der landesweite Wahlkampf sein. Klar ist, dass mit Jon Iñarritu der letzte der Pioniere von 2011 aus den Reihen von Amaiur die nationale Bühne verlässt – ein symbolischer Einschnitt in der Entwicklung von Euskal Herria Bildu von einer Wahlplattform hin zu einer fest etablierten Partei im spanischen Parlament.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).