Aktuell

Jede vierte Schule in Spanien hat keine Bibliothek

Neue Statistiken und Branchenangaben für das Schuljahr 2025/2026 beziffern den Anteil der Schulen ohne Bibliothek auf rund 26 Prozent. Die Debatte fällt in eine Phase schwächerer Leseleistungen.

Rund ein Viertel der Schulen in Spanien verfügt derzeit über keine Schulbibliothek. Darauf weisen aktuelle amtliche Statistiken zum Schuljahr 2025/2026 und eine Branchenauswertung der Federación de Gremios de Editores de España hin, die den Anteil der Einrichtungen ohne Bibliothek mit 26,4 Prozent beziffert. In den Erhebungen des spanischen Ministeriums für Bildung, Berufsbildung und Sport liegt der Anteil je nach Schulform ebenfalls deutlich über 20 Prozent.

Die Zahlen heizen eine bereits laufende bildungspolitische Debatte an, weil die Leseleistungen vieler Schülerinnen und Schüler schwächeln. In der internationalen Vergleichsstudie PISA 2022 fiel Spanien im Lesen zurück; ein beträchtlicher Teil der 15-Jährigen verfehlte das als Mindestkompetenz definierte Niveau. Bildungsexperten führen an, dass funktionierende Schulbibliotheken zwar nicht allein über Lernerfolg entscheiden, aber den kontinuierlichen Zugang zu geeigneten Texten, betreute Lesezeiten und gezielte Leseförderung sichern – Faktoren, die mit besseren Ergebnissen korrelieren.

Die Ausstattungslage ist regional unterschiedlich. Mehrere Autonomieregionen haben in den vergangenen Monaten Programme aufgelegt oder ausgeweitet, um Lesekompetenzen zu stärken und Bibliotheksarbeit in Schulen zu stützen. Die Comunidad de Madrid etwa verknüpft zum laufenden Schuljahr eine Bibliotheksoffensive mit Diagnosetools und Zusatzstunden, die auf Grundkompetenzen zielen. Auch in anderen Regionen werden Bibliotheken in Strategien zur frühen Förderung und zur Differenzierung im Unterricht einbezogen.

Gleichzeitig erreichen staatliche Förderlinien bislang nur einen Teil der Schulen. Aus der Zusammenführung von Regierungsangaben und Presseberichten ergibt sich, dass ein geringer Prozentsatz der Einrichtungen bisher Mittel aus Programmen zur Verbesserung des Leseverständnisses abrufen konnte. Das spanische Ministerium für Bildung, Berufsbildung und Sport verweist auf laufende Vorhaben und die Kompetenzverteilung zwischen Zentralstaat und Regionen; verbindliche Zusagen zu einer flächendeckenden Bibliotheksfinanzierung liegen nicht vor.

Bei der Einordnung der Daten ist zu trennen zwischen Bestand, Nutzung und Wirkung. Statistische Operationen erfassen, ob eine Schule eine Bibliothek ausweist; ob diese mit aktuellem Bestand versehen, personell betreut und systematisch in den Unterricht integriert ist, wird je nach Quelle unterschiedlich erhoben. Forschung und Fachverbände betonen daher, dass Bibliotheken notwendige Infrastruktur sind, deren Potenzial erst mit qualifiziertem Personal, curricularer Verankerung und verlässlicher Finanzierung voll wirksam wird. Der politische Streit dreht sich entsprechend weniger um das Ob, sondern um das Wie und die Priorität im Bildungshaushalt – vor dem Hintergrund eines messbaren Leistungsrückgangs im Lesen.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk