Nach der Erdbebenserie seit dem vergangenen Samstag in der Provinz Granada fordert der spanische Ingenieursverband Asociación de Ingenieros de Caminos, Canales y Puertos eine konsequente Überprüfung der baulichen Sicherheit. Am 19. August 2026 erklärte Vorstandsmitglied Ramiro Aurín Lopera, Spanien setze die europäischen Bemessungsregeln für Erdbebenschutz nicht vollständig um und solle die aktuellen Ereignisse als Anlass für eine „auditoría forense“ nutzen – eine forensische Bestandsaufnahme von Infrastrukturen und besonders frequentierten öffentlichen Gebäuden. Zudem regte er zusätzliche Prüfungen für Wohn- und Zweckbauten ab einem Alter von 40 Jahren an.
Ausgelöst wurde die Debatte durch eine Folge kleinerer bis mäßiger Beben und Nachbeben im Gebiet der Vega de Granada. Das Instituto Geográfico Nacional berichtet über fortgesetzte seismische Aktivität in und um die Provinzhauptstadt; die Behörden der Junta de Andalucía informieren die Bevölkerung zu Vorsorge und Verhalten. Konkrete Schäden werden lokal geprüft. Der Fokus der Fachleute liegt auf Einrichtungen, deren Funktionsfähigkeit im Ereignisfall zentral ist: Krankenhäuser, Schulen, Energie- und Wasserversorgung, Verkehrsadern sowie Staudämme gelten als vorrangig zu sichernde Infrastrukturen.
In der Sache verweist Aurín auf die Eurocodes (Eurocódigos) als technischen Referenzrahmen. Spanien habe mit dem Código Estructural und nationalen Anhängen die europäischen Normen in das Regelwerk eingebettet; in der Praxis gebe es jedoch Lücken bei Planung, Ausschreibung und Kontrolle, insbesondere im Bestand, so seine Kritik. Eine systematische, forensisch ausgerichtete Bestandsaufnahme solle Risiken quantifizieren, Nachrüstprioritäten festlegen und die Grundlage für transparentere Investitionsentscheidungen schaffen. Das beträfe insbesondere die als kritisch eingestuften Infrastrukturen.
Als spanische Gebiete mit erhöhtem seismischen Risiko gelten unter anderem die Vega de Granada und das Valle del Segura in Murcia. Vor diesem Hintergrund plädiert Aurín für verpflichtende Sonderprüfungen stark genutzter öffentlicher Gebäude sowie für zusätzliche Inspektionen älterer Wohnhäuser, um Schwachstellen zu identifizieren und gezielt nachzurüsten. Ob und in welchem Umfang Behörden auf Landes- oder Kommunalebene kurzfristig Prüfpflichten ausweiten oder Förderprogramme für Ertüchtigungen auflegen, ist offen. Klar getrennt werden muss dabei zwischen gesicherten Feststellungen – aktuellen Messdaten und baulichem Zustand – und den daraus abgeleiteten Bewertungen von Verbänden und Fachleuten. Die politische Abwägung zwischen Sicherheitsniveau, Kosten und Umsetzungsfristen steht noch aus; die jüngsten Erschütterungen haben den Handlungsdruck jedoch sichtbar erhöht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).