Melillas Stadtpräsident Juan José Imbroda erklärte am 22. September 2026, er werde mit allen rechtlichen und politischen Mitteln gegen die mögliche Einrichtung eines staatlichen Zentrums zur Identifizierung und kurzfristigen Unterbringung von Menschen nach irregulärem Grenzübertritt vorgehen. Nach seinen Angaben kursieren Pläne für einen Standort gegenüber der Playa de La Hípica mit Platz für bis zu 800 Personen. Er warnte vor einer Überlastung Melillas und verwies auf Bilder von überfüllten Strandabschnitten in Ceuta wie der Playa del Trampolín und der Playa de Benítez. Zudem kritisierte er die staatliche Migrationspolitik als erratisch und forderte schnellere Verfahren für Rückführungen, mehr Personal und Technik für Kontrollen sowie klare Zuständigkeiten beim Schutz unbegleiteter Minderjähriger.
Die Delegation der spanischen Regierung in Melilla wies dies zurück. Regierungsdelegierte Sabrina Moh erklärte am 21. September 2026, das Innenministerium habe kein neues Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes angekündigt und werde in Melilla kein weiteres solches Aufnahmezentrum errichten. Sie bestätigte, dass die Verwaltung nach einem Gelände sucht, um Identifizierungen durchzuführen und die Polizei logistisch zu entlasten, und stellte klar, dass keine Flächen des Verteidigungsministeriums für einen Neubau vorgesehen seien. Moh warf Imbroda vor, den Konflikt politisch aufzuladen, und verwies auf vordringliche lokale Aufgaben wie die Wasserknappheit und die städtische Infrastruktur.
Fest steht damit ein politischer Streit über Ausmaß und Zweck eines staatlichen Vorhabens: Während Imbroda ein groß dimensioniertes Zentrum mit bis zu 800 Plätzen und Standortangaben benennt, stellt die Regierungsdelegation ein klar abgegrenztes Identifizierungsareal ohne Erweiterung der bestehenden Kapazitäten in Aussicht. Ein formales Planungsdokument des Innenministeriums, das Standort, Zweck und Kapazität belegt, liegt öffentlich nicht vor. Ebenso wenig ist ein Genehmigungsverfahren bekannt geworden. Ohne diese Unterlagen bleibt offen, ob über die Prüfung von Optionen hinaus konkrete Baupläne existieren.
Das bestehende Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes (CETI) in Melilla bleibt nach Darstellung der Regierungsdelegation ausreichend. Imbroda hält dagegen, die Stadt sei strukturell überfordert, und verlangt verbindliche Zusagen über Ressourcen, Verfahren und die Koordinierung zwischen Staat, autonomen Städten und Marokko. Wie sich die Debatte entwickelt, hängt von möglichen Beschlüssen des Innenministeriums und der formalen Einleitung eines Planungs- oder Vergabeverfahrens ab. Bislang handelt es sich um gegensätzliche politische Bewertungen eines möglichen Identifizierungsstandorts, nicht um eine bestätigte Bauentscheidung.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).