Wirtschaft

Hohe Wohnkosten treiben 770.000 Beschäftigte in Spanien in die Armut

Ein neuer Bericht von Oxfam Intermón zeigt: Nach Abzug der Wohnkosten fallen in Spanien rund 770.000 Erwerbstätige unter die Armutsgrenze. Besonders betroffen sind Mietende.

Ein am 20. Oktober 2026 vorgestellter Bericht von Oxfam Intermón zeigt, dass in Spanien rund 770.000 Beschäftigte nach Abzug ihrer Wohnkosten unter die Armutsgrenze rutschen. Die Analyse stützt sich auf die Encuesta de Condiciones de Vida des Instituto Nacional de Estadística sowie auf Steuerdaten für das Referenzjahr 2024.

Zentraler Befund ist der Unterschied zwischen Wohnformen. Nach den Berechnungen leidet etwa ein Drittel der Beschäftigten, die am freien Markt mieten, an Einkommensarmut nach Wohnkosten. Konkret beziffert der Bericht den Anteil der Mietenden auf rund 34 Prozent. Unter Personen mit laufender Hypothek liegt die Armutsquote nach Wohnkosten bei etwa 10,22 Prozent. Selbst Eigentümerinnen und Eigentümer bereits abbezahlter Immobilien erreichen noch rund 7,95 Prozent, wenn laufende wohnungsbezogene Ausgaben berücksichtigt werden.

Für die Armutsdefinition folgt Oxfam Intermón der Eurostat-Schwelle von 60 Prozent des Medianeinkommens. Für eine alleinlebende Person entspricht dies in der Studie 12.220 Euro Jahresnettoeinkommen. Oxfam betont, dass die gestiegenen Wohnkosten die Wirkung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums teilweise neutralisieren und Armut verfestigen. Besonders verletzlich sind Alleinerziehende, junge Erwerbstätige sowie Beschäftigte in Branchen mit hoher Teilzeit- und Niedriglohndichte wie Gastronomie und Reinigungsdienste.

Methodisch kombiniert die Untersuchung Querschnittsdaten des INE zur Lebenslage von Haushalten mit Auswertungen der Einkommensteuerdaten. Aus beiden Datenquellen leitet Oxfam Belastungsquoten für verschiedene Haushaltstypen ab und zeigt, dass Wohnkosten nicht nur das Armutsrisiko erhöhen, sondern auch Spar- und Investitionsmöglichkeiten breiter Bevölkerungsteile aufzehren.

Ausdrücklich getrennt von Bewertungen listet der Bericht politische Optionen: den gezielten Ausbau des sozialen Wohnungsbestands, eine stärkere Regulierung des Mietmarktes sowie zeitlich und in der Höhe begrenzte Transfers zur Entlastung einkommensschwacher Haushalte. Oxfam Intermón warnt, ohne strukturelle Eingriffe werde sich die Zahl der Beschäftigten in prekären Verhältnissen kurzfristig kaum verringern lassen.

Die hier genannten Größenordnungen beziehen sich auf die im Bericht ausgewiesenen Referenzjahre und Schwellenwerte. Sie verorten das Armutsproblem nach Wohnkosten als ein zentrales sozialpolitisches Thema in Spanien, das weit über angespannte Großstadtmärkte hinausreicht und zunehmend auch mittlere Einkommen betrifft.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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