Zwei Tage vor dem Prozess gegen elf Mitglieder der Umweltorganisation hat Greenpeace am 21. September 2026 auf dem Hemisfèric in Valencia ein 26 Meter breites Auge und zwei Banner ausgelegt. Mit den Aufschriften „El mundo está observando“ und „El activismo no es un crimen“ will die Organisation auf die anstehenden Verhandlungen hinweisen. Der Prozess soll am 23. September 2026 vor einem Juzgado de lo Penal in der Ciudad de la Justicia de València beginnen.
Nach übereinstimmenden Berichten verlangt die Fiscalía in dem Verfahren Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Hintergrund ist eine Protestaktion im Oktober 2021 im Hafen von Sagunto gegen ein Flüssiggasschiff. Den Beschuldigten werden unter anderem „desórdenes públicos“ – sinngemäß öffentliche Störungen – zur Last gelegt. Die genaue rechtliche Einordnung der Vorwürfe liegt beim Gericht und kann im Verlauf des Verfahrens präzisiert werden.
Greenpeace erklärt, die Angeklagten hätten gewaltfrei agiert, und spricht von einem aus ihrer Sicht überzogenen Vorgehen der Behörden. Die Organisation sieht eine abschreckende Wirkung für zivilen Protest. Die Sicht der Staatsanwaltschaft wird in den Berichten mit dem Hinweis auf Straftatbestände und die Gefahrenlage im Hafenbereich wiedergegeben. Eine Entscheidung in der Sache steht aus; der Ausgang des Verfahrens ist offen.
Die symbolträchtige Aktion auf dem Hemisfèric, einem Gebäude der Ciudad de las Artes y las Ciencias, zielte darauf, internationale Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken. Das visuelle Motiv – ein geöffnetes Auge mit 530 Quadratmetern Fläche – ist Teil einer Kampagne, mit der Greenpeace rechtliche Risiken für Klima- und Umweltschutzproteste thematisiert. Die Organisation veröffentlichte Fotografien der Installation und verwies auf vergleichbare Verfahren in Europa.
Der Fall „Sagunto“ reiht sich in eine breitere Debatte in Spanien über die Grenzen des Versammlungs- und Demonstrationsrechts ein. Juristisch stehen sich im Kern die Argumentation der Anklage, die auf Sicherheits- und Ordnungstatbestände im kritischen Infrastrukturbereich abstellt, und die Verteidigung, die die Versammlungsfreiheit und den zivilen Ungehorsam betont, gegenüber. Beobachter rechnen mit mehreren Prozesstagen. Aussagen zu möglichen Strafmaßen bleiben bis zum Urteil hypothetisch.
Für Valencia ist der Prozess auch politisch bedeutsam: Er berührt Spannungen zwischen lokalen Wirtschaftsinteressen im Hafen von Sagunto und klimapolitischen Forderungen. Unmittelbar betroffen sind neben den elf Angeklagten die einschlägigen Sicherheitsprotokolle in Häfen – deren Auslegung durch das Gericht Signalwirkung haben könnte.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).