Neue Auswertungen eines Forschungsprojekts der Universidad de Granada zeigen, wie Städte ihre Grünflächen gegen zunehmende Hitze organisieren sollten: Entscheidend ist die Vernetzung von Parks, Plätzen und Baumreihen – nicht allein die Zahl der Bäume. Nach zwei Jahren Temperaturmessungen im Parque Federico García Lorca in Granada identifizierte das Team des Projekts BioCiTrees fünf Arten, die ihre Umgebung unter der Krone im Mittel um etwa zwei Grad kühlen und in Spitzen bis zu 3,5 Grad weniger gegenüber Flächen ohne Vegetation ermöglichen: olivo (Olivenbaum), fresno (Esche), plátano de sombra (Platane), níspero (Wollmispel) und naranjo amargo (Bitterorangenbaum).
Die Forschenden betonen, dass zusammenhängende, durchgehende Grünzüge die kühlende Wirkung räumlich ausweiten. Wo Baumreihen, kleine Plätze und größere Parks zu einem Netz verbunden sind, sinken Temperaturen demnach flächiger und stabiler als bei isolierten Einzelstandorten. Aus stadtklimatischer Sicht rät das Team, Lücken zwischen bestehenden Grünflächen zu schließen und besonders exponierte Wohnviertel prioritär anzubinden. Ziel ist, die Hitzeinseln in der dichten Bebauung zu entschärfen und erträgliche Fußwegeachsen durch die Stadt zu schaffen.
Gemessen wurde über zwei Sommer an vergleichbaren Punkten unter Baumkronen sowie auf unbeschatteten Flächen. Die Unterschiede erklären sich laut Projektteam vor allem durch Schattenspende und Verdunstungskühlung der Blätter. Arten mit dichter Krone und guter Anpassung an den südeuropäischen Sommer zeigten dabei die stärksten Effekte. Neben der Auswahl geeigneter Arten sei die Pflege – etwa ausreichende Wasserversorgung in Hitzeperioden – für die Wirksamkeit ausschlaggebend, heißt es aus der Universidad de Granada.
Der Befund ist vor dem lokalen Kontext zu lesen: In Granada übersteigen die Temperaturen im Sommer häufig 40 Grad. Mit häufiger und länger anhaltenden Hitzewellen wächst der Druck auf die Stadtplanung, robuste, wartungsarme und sozial ausgewogene Kühlstrukturen zu schaffen. Die BioCiTrees-Auswertung liefert dafür konkrete Ansatzpunkte: statt punktueller Baumpflanzungen die Ausbildung zusammenhängender Korridore, die bestehende Parks, Straßenräume und Plätze klimatisch verbinden und besonders belastete Quartiere priorisieren.
Die Ergebnisse ordnen sich in eine breitere andalusische Debatte über Klimaanpassung ein. Für die Praxis bedeuten sie, dass Baumartenauswahl, Standort und Pflege zwar wichtig bleiben, die räumliche Anordnung der Grünflächen aber über die Stärke und Reichweite der Kühlung entscheidet. Damit verschiebt sich der Fokus von der bloßen Anzahl gepflanzter Bäume hin zu einem stadtweiten, vernetzten Grünsystem – mit messbaren Vorteilen für Gesundheit und Aufenthaltsqualität in dicht bebauten Stadtteilen von Granada.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).