Das spanische Ministerio de Sanidad hat am 7. September 2026 die Kampagne „Acércate, escucha, acompaña… repara“ gestartet. Ziel ist es, das Stigma rund um psychosoziale Behinderung zu verringern und alltagsnahe Unterstützung zu fördern. Im Mittelpunkt steht ein „Manual de reparación“, eine leicht zugängliche Anleitung für Angehörige, Nahestehende und Nachbarschaften mit konkreten Vorschlägen, wie Zugehen, aktives Zuhören und respektvolles Begleiten gelingen können.
Nach Angaben des Ministeriums geht es ausdrücklich nicht darum, Laien zu Fachkräften auszubilden. Die Kernidee lautet, soziale Beziehungen zu stärken und Ausgrenzung zu durchbrechen, wenn Rückzug und Isolation infolge von Stigmatisierung entstanden sind. „Reparieren“ meint in diesem Kontext nicht eine medizinische Heilung, sondern das Wiederherstellen von Bindungen und Teilhabe. Die Ankündigung wurde über La Moncloa veröffentlicht.
Als Bezugsgröße nennt das Ministerium Daten des IMSERSO: Zum Stichtag 31. Dezember 2024 waren 793.220 Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 33 Prozent aufgrund von Beeinträchtigungen des Nervensystems oder der psychischen Funktion erfasst. Diese Sammelkategorie umfasst neben psychischen Störungen auch neurologische Erkrankungen; sie ist daher größer als die Gruppe der Menschen mit psychosozialer Behinderung. Das Ministerium betont, diese Differenzierung sei für die richtige Einordnung der Kampagne wesentlich.
Die Initiative wurde der Darstellung zufolge in der Beauftragtenstelle für psychische Gesundheit vorbereitet. Neben dem Manual sind audiovisuelle Materialien vorgesehen, die Alltagssituationen zeigen und Orientierung für ein respektvolles Miteinander geben. Verbreitet werden sollen die Inhalte über institutionelle Kanäle des Ministeriums und Kooperationen mit autonomen Gemeinschaften.
Erste Reaktionen aus Fachkreisen reichen von Zustimmung bis zu der Forderung, die Sensibilisierung mit strukturellen Schritten zu verbinden. Positiv hervorgehoben wird die Betonung von Beziehung und Teilhabe im unmittelbaren Umfeld. Gleichzeitig verweisen Vertreterinnen und Vertreter aus der Versorgung auf den Bedarf an dauerhaft finanzierten gemeindenahen Diensten, an erreichbarer psychosozialer Beratung und an verlässlicher Koordination zwischen Gesundheit, Sozialdiensten und Kommunen. Das Ministerium verweist auf die öffentliche Bereitstellung der Materialien und auf die Offenheit für weitere Zusammenarbeit; konkrete Zeitpläne und zusätzliche Ressourcen für die Umsetzung vor Ort bleiben in der Ankündigung jedoch offen.
Die Kampagne positioniert sich damit als niedrigschwellige Ergänzung zu klinischen Angeboten. Ihr Erfolg wird davon abhängen, ob die vorgeschlagenen Haltungen und Verhaltensweisen in Familien, Betrieben, Schulen und Nachbarschaften ankommen – und ob parallel die Versorgungslinien der Regionen gestärkt werden.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).