Der finnische Humangeograf Jarkko Saarinen hat beim Observatori COSTA in Palma de Mallorca eine deutlich strengere Regulierung des Massentourismus gefordert. Der Professor an der Universität Oulu argumentiert, dass Tourismus zwar auf natürlichen, kulturellen und sozialen Ressourcen eines Ortes aufbaut, seine Erträge jedoch nicht automatisch den Gemeinden zugutekommen, die diese Grundlagen bereitstellen. Als zentrales Risiko nannte er ökonomische Abflüsse, die auch bei vermeintlichem „Qualitätstourismus“ auftreten können.
Saarinen sprach sich für einen neuen rechtlichen Rahmen für Kurzzeitvermietungen aus. Solche Angebote wirkten sich nach seinen Studien häufig auf Verfügbarkeit und Preise von Wohnraum aus und beförderten Verdrängungseffekte in besonders gefragten Stadtvierteln. Nötig seien klare Grenzen, transparente Registrierungspflichten und Kontrollen, damit Wertschöpfung und Kosten fairer verteilt werden. Zugleich befürwortet er eine stärkere Beteiligung lokaler Gemeinschaften an Planung und Entscheidungsprozessen, etwa über verbindliche Konsultationen und Mitwirkungsrechte bei touristischen Genehmigungen.
Der Auftritt Saarinens fällt in eine Phase erhöhter Anspannung auf den Illes Balears: In Palma de Mallorca und anderen Orten haben zuletzt Proteste gegen steigende Mieten, überfüllte Innenstädte und eine zunehmende Ausrichtung öffentlicher Räume auf Besucherinnen und Besucher stattgefunden. Politisch werben verschiedene Akteure parallel für eine „Aufwertung“ des Angebots – ein Kurs, der aus Sicht des Wissenschaftlers ohne begleitende Leitplanken neue Ungleichgewichte erzeugen kann.
Das Observatori COSTA, das als Forum für Kultur, Forschung und Tourismusdebatten in Palma gilt, versammelte internationale Expertinnen und Experten sowie Vertreter der Zivilgesellschaft. In diesem Rahmen betonte Saarinen, dass die Steuerung touristischer Entwicklung nicht allein über Besucherzahlen oder Pro-Kopf-Ausgaben erfolgen dürfe, sondern über die Frage, wer profitiert und wer die Kosten trägt. Seine Aussagen sind Empfehlungen eines Wissenschaftlers; sie entfalten keine unmittelbare Rechtswirkung.
Welche Folgen seine Vorschläge praktisch hätten, liegt bei der Politik. Sollte die Balearen-Regierung Elemente davon aufgreifen, wären Änderungen bei Zulassungen, Kontrollen und Besteuerung von Kurzzeitvermietungen zu erwarten. Ebenso stünden Verfahren zur frühzeitigen Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner auf der Agenda. Das würde Eingriffe in bestehende Nutzungen und Geschäftsmodelle bedeuten, könnte aber – bei konsequenter Umsetzung – Zielkonflikte zwischen Tourismus, Wohnraum und öffentlichem Raum entschärfen. Der weitere Kurs hängt von der Reaktion der regionalen Institutionen und den anstehenden Debatten auf Mallorca ab.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).