Der Streit ist offiziell: Die Xunta de Galicia will die vom Staat bereitgestellten Mittel für als zonas de mercado residencial tensionado eingestufte Städte selbst zuteilen. Konkret geht es um rund 5,1 Millionen Euro für A Coruña und Santiago de Compostela. Beide Rathäuser fordern, das Geld unmittelbar zu verwalten und an ihre lokalen Wohnprogramme zu binden. Ministeriale Hinweise Mitte September 2026 stellen klar, dass die Mittel zweckgebunden an Projekte in den ausgewiesenen Gebieten sind; die Frage der operativen Zuständigkeit bleibt jedoch umkämpft.
Xunta-Präsident Alfonso Rueda kündigte an, die Gelder für geförderten Wohnungsbau in den beiden Städten einzusetzen. Die Bürgermeisterinnen Inés Rey in A Coruña und Goretti Sanmartín in Santiago de Compostela widersprechen der zentralen Steuerung. Sie argumentieren, nur die Kommunen könnten wirksam, schnell und passgenau auf die lokalen Wohnungsmärkte reagieren, etwa durch die Kombination von Neubau, Aktivierung leerstehender Bestände, Sozialvermietungen und zeitnahen Eingriffen in besonders belasteten Quartieren.
Die rechtliche Grundlage für die Einstufung als zonas de mercado residencial tensionado liefert die nationale Ley de Vivienda. Sie ermöglicht Eingriffe in stark angespannten Märkten und verknüpft diese mit Förderinstrumenten. In Galicien wurden A Coruña und Santiago im Rahmen dieses Mechanismus anerkannt. Nach Angaben aus Madrid sind die Mittel strikt an Maßnahmen in den deklarierten Gebieten gebunden. Ob die Zuweisung projektweise über die Autonomieregierung oder direkt über die Kommunen läuft, ist der aktuelle Konfliktpunkt.
Politisch prallen dabei unterschiedliche Verständnisse von Zuständigkeit und Wirksamkeit aufeinander. Die Xunta betont Planungssicherheit und Skalierbarkeit größerer Programme in der Fläche. Die Städte verweisen auf Nähe zu Bedarfslagen, vorhandene Instrumente der Boden- und Bestandsmobilisierung sowie auf laufende Vorhaben, die ohne zusätzliche Entscheidungsebenen schneller realisiert werden könnten. Hinter dem Kompetenzstreit steht zugleich die seit 2025 intensivierte Debatte über Mietregulierung und deren Auswirkungen auf Angebotsmengen und Preise.
Sicher ist bislang nur: Die Mittel müssen in A Coruña und Santiago de Compostela eingesetzt werden; über Tempo, Auswahl und Ausgestaltung der Projekte entscheidet letztlich die Ebene, die die operative Verwaltung erhält. Aussagen der Beteiligten liegen vor, eine endgültige Festlegung über die Vergabestruktur gibt es nicht. Prognosen zu Effekten auf Mieten oder Neubauraten bleiben damit vorläufig und abhängig von konkreten Programmentscheidungen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).