Die strategische Industrieagenda der Xunta de Galicia gerät ins Stocken. Laut der Transparenzseite der Regionalregierung sind aktuell 15 Vorhaben als „proyecto industrial estratégico“ gelistet. Mehrere Schlüsselfälle wurden jedoch in den vergangenen Monaten gestoppt, vertagt oder sind massiv umstritten – trotz der mit dem Status verbundenen Verfahrensbeschleunigung.
Am weitesten ist der Bruch beim Großprojekt von Altri: Die geplante Zellulosefabrik in Palas de Rei wurde am 10. Juli 2026 von der Verwaltung archiviert. Nach Behördenangaben reichten die von der portugiesischen Firma nachgereichten Unterlagen für die Fortführung des Verfahrens nicht aus. Umweltverbände und lokale Initiativen, die über Jahre gegen das Vorhaben mobilisiert hatten, werten das Ende des Dossiers als Bestätigung ihres Widerstands. Das Unternehmen hat sich öffentlich nicht auf einen neuen Anlauf festgelegt.
Ebenfalls gescheitert ist die Wasserstoffanlage H2 Meirama. Das in Cerceda vorgesehene Projekt war von der Xunta als strategisch eingestuft worden, wurde jedoch von den beteiligten Unternehmen wieder verworfen. Ein Zeitplan oder Alternativkonzept ist nicht bekannt. Die Regierung verweist in solchen Fällen darauf, dass die Einstufung als strategisch Erleichterungen bei Genehmigungen bietet, die Investitionsentscheidung der Firmen aber nicht ersetzt.
Die Reifenfabrik von Sentury in As Pontes bleibt derweil ohne sichtbaren Fortschritt. Nach einer Phase öffentlicher Ankündigungen liegt das Vorhaben auf Eis; ein Baubeschluss oder verbindlicher Baustart sind nicht dokumentiert. Auch hier gilt: Der Status garantiert weder Finanzierung noch Realisierung.
Besonders konfliktträchtig ist die geplante Wiederaufnahme des Bergbaus in Touro–O Pino. Icomos, das Beratungsorgan der UNESCO, empfahl im Juni 2026 die Annullierung erteilter Genehmigungen und verwies auf mögliche Auswirkungen auf den Camino de Santiago. Die Xunta betont im Parlament, sie werde nur genehmigen, wenn alle Auflagen erfüllt sind, und verweist auf Änderungen am Projekt. Bürgerinitiativen und Einwände in großer Zahl halten den Druck aufrecht; die Betreiber werben gleichzeitig um Unterstützung.
Schließlich wurde einer der Windparks, der bei den Goya-Preisverleihungen öffentlich als Gefahr für die traditionelle Rapa das Bestas kritisiert worden war, von den Promotoren aufgegeben. Der Gesamtbefund ist klar: Die Kategorie „strategisch“ verkürzt Verfahren, sie ersetzt aber weder die rechtliche Prüfung noch die gesellschaftliche Akzeptanz – und sie schützt Projekte nicht vor wirtschaftlichen Rückzügen. Für die Industriepolitik der Xunta und betroffene Gemeinden bedeutet das verlängerte Unsicherheit über Umfang und Tempo des Strukturwandels.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).