In der Ría de San Martín bei Suances sind Wochen nach dem massenhaften Vogelsterben im August erneut Kadaver gefunden worden. Die Bürgerinitiative Proyecto Ría San Martín meldet seit dem 16. September weitere verendete Tiere und fordert erweiterte Laboruntersuchungen der Kadaver. Der Fall beschäftigt die Behörden in Kantabrien erneut, weil die Todesursache weiterhin ungeklärt ist.
Im August hatte die Initiative zwischen dem 8. und 21. des Monats mindestens 88 tote Wasservögel dokumentiert und den Vorfall als die größte Umweltkatastrophe der Mündungszone seit Langem bezeichnet. Laut ihrem Bericht entfielen davon 44 auf Stockenten, hinzu kamen 17 Lachmöwen, 11 Krickenten, 8 Brandgänse, 7 Schnatterenten und ein Höckerschwan. Die Zahl sei ein Mindestwert und erfasse nicht die gesamte Mortalität des Ereignisses.
Die Regierung von Kantabrien (Gobierno de Cantabria) ließ bis zum 21. August 44 Tiere einsammeln und zur Analyse bringen. Untersucht wurden unter anderem Geflügelpest, das West-Nil-Virus sowie bakterielle und toxikologische Ursachen. Der zuständige Umweltminister Roberto Media erklärte am 5. Oktober im Regionalparlament, die Tests hätten bislang keine eindeutige Ursache ergeben; die Wasserqualität werde nach derzeitigem Kenntnisstand nicht als Hauptfaktor angesehen.
Auch die Kommune reagierte: Der Ayuntamiento de Suances sperrte im August betroffene Uferabschnitte ab, um den Kontakt von Menschen und Haustieren zu Kadavern zu verhindern. Fachleute dringen nun darauf, die Untersuchungen zu vertiefen. SEO/BirdLife begleitet den Vorfall und stimmt sich mit der Dirección General de Montes y Biodiversidad des Gobierno de Cantabria ab. Aus Sicht der Naturschützer spricht die Lücke zwischen den 44 offiziell geborgenen Tieren und den von Proyecto Ría San Martín gezählten Kadavern für weiteren Aufklärungsbedarf.
Die Ría de San Martín besitzt derzeit keinen formalen Schutzstatus als Schutzgebiet. Welche mittel- und langfristigen Folgen das Sterben für den lokalen Bestand von Enten und Möwen hat, lässt sich mangels gesicherter Ursache und lückenloser Erfassung noch nicht abschätzen. Behörden kündigten an, die Beobachtung der Fauna und die Auswertung der Analysen fortzuführen. Nach bisheriger Kenntnis gibt es keine bestätigten Hinweise auf Risiken für die öffentliche Gesundheit.
Der aktuelle Anlass sind die neuen Funde seit Mitte September und die Bestätigung der weiterhin ausstehenden Ursache durch die Regionalregierung Anfang Oktober. Der Hintergrund bleibt ein starker Zielkonflikt: zwischen dem Druck, schnell Entwarnung zu geben, und dem fachlichen Anspruch, das ungewöhnliche Sterbegeschehen an der Ría de San Martín vollständig aufzuklären.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).