Die Mikrodaten der Encuesta de Población Activa (EPA) des Instituto Nacional de Estadística (INE) für das zweite Quartal 2026 weisen erhebliche Unterschiede nach Bildungsniveau aus. Laut einer Auswertung von Asempleo sind 23,1 Prozent der abhängig Beschäftigten mit primärer Schulbildung oder weniger in befristeten Arbeitsverhältnissen, gegenüber 14,0 Prozent bei Personen mit tertiärem Abschluss. Bei der Arbeitslosigkeit zeigt sich ein ähnliches Gefälle: Die Quote beträgt 21,8 Prozent in der Gruppe mit primärer Bildung oder weniger, 12,0 Prozent bei Sekundarabschlüssen und 6,2 Prozent bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen.
Die EPA ist die amtliche Haushaltsbefragung zum Arbeitsmarkt in Spanien und bildet die Grundlage der Bewertung. Asempleo interpretiert die Differenzen als Hinweis darauf, dass Bewerberinnen und Bewerber mit niedrigerem Bildungsniveau größere Hürden beim Zugang zu unbefristeter Beschäftigung überwinden müssen. Befristete Verträge fungierten demnach häufig als Einstiegspfad in den Arbeitsmarkt. Diese Zuschreibungen sind eine Bewertung der Arbeitgebervereinigung und gehen über die reinen Messzahlen der EPA hinaus.
Parallel dazu verschärfen die Behörden die Kontrolle missbräuchlicher Vertragspraxis. Die Inspección de Trabajo hat im Juni 2026 Unternehmen Mitteilungen zu rund 31.500 Verträgen übersandt, die als potenziell rechtswidrige contratos temporales oder als fehlerhaft eingesetzte fijos discontinuos eingestuft wurden. Dabei handelt es sich um Prüfhinweise und Anordnungen zur Überprüfung; ob daraus Sanktionen oder Umwandlungen in unbefristete Verträge folgen, hängt von den Ergebnissen der Einzelfallprüfungen ab.
Die Kombination aus statistischer Evidenz der EPA und den Vollzugsmaßnahmen der Inspección de Trabajo verdeutlicht, dass Prekarität am unteren Ende des Qualifikationsspektrums in Spanien sowohl dokumentiert als auch administrativ adressiert wird. Politisch naheliegend sind zielgenaue Weiterbildungsangebote und Instrumente zur Stabilisierung von Beschäftigung insbesondere für Gruppen mit geringer formaler Bildung. Ob und in welchem Umfang solche Maßnahmen die Bildungsunterschiede bei Befristung und Arbeitslosigkeit verringern, lässt sich erst über längere Zeitreihen beurteilen. Die hier berichteten Werte beziehen sich ausdrücklich auf das zweite Quartal 2026 und auf die von Asempleo ausgewerteten EPA-Mikrodaten des INE.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).